ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2006zum Goldpreis: Heißgelaufen

VARIA: Schlusspunkt

zum Goldpreis: Heißgelaufen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Gold ist in aller Munde. Auf Partys und geschäftlichen Terminen werde ich in letzter Zeit oft genug zur Seite genommen, was ich denn meine, ein Engagement im gelben Edelmetall sei ja wohl eine todsichere Sache.
In der Tat hat der Goldpreis an bundesdeutschen Stammtischen die Lufthoheit erklommen, und sogar die Finanzpresse sieht sich bemüßigt, auf die anscheinend sehr lohnenden Aussichten dieses Rohstoffs hinzuweisen, nachdem der Preis für die Feinunze sich langsam, aber sicher an die Marke von 600 Euro heranpirscht. Ein solcher Anstieg von ehemals 250 Dollar im Jahr 1999 weckt verständlicherweise Begehrlichkeiten auf weiter fulminant ansteigende Notierungen, und diesmal will man dabei sein.
Diese wohl von der Gier gespeiste Arglosigkeit kann durchaus ins Auge gehen. Wer erinnert sich nicht an ähnliche Begründungsnebel in Sachen Neuer Markt oder Solaraktien, was, zumindest beim Neuen Markt, ziemlich herbe Verluste eingebracht hat. Bei den Sonnenwerten steht die Verfinsterung freilich noch aus, über kurz oder lang wird sich aber auch hier das heulende Elend einfinden. Ist die Gemengelage beim Gold ähnlich?
Schein und Sein weichen möglicherweise stark voneinander ab. Selbst bei Profis herrscht allgemein die Vermutung vor, dass die Nachfrage nach Gold das Angebot weit übersteige, vor allem China und Indien stünden hier auf der Käuferseite, und die global steigende Angst vor mehr Inflation bewirkte einen zusätzlichen Schub; also Leute, kauft das Zeugs.
Klingt plausibel, muss aber nicht stimmen. Wer den Goldpreis tatsächlich bestimmt, welche Volumina überhaupt gehandelt werden und welche Faktoren die Preisbildung entscheidend beeinflussen, wird von einer Hand voll Leuten im so genannten Londoner Gold-Fixing bestimmt, die Einzelheiten der Transaktionen werden nicht veröffentlicht, von Transparenz keine Spur. Das Informationsmonopol über den Goldpreis haben weltweit zwei Organisationen gebündelt: das World Gold Council und die Londoner Beratungsfirma Gold Field Mineral Services (GFMS), Erstere ist für das Marketing der Minengesellschaften zuständig, die GFMS indes ge-
hörte früher den Gold Fields of South Africa. Wer hier an trappsende Nachtigallen denkt, liegt vermutlich goldrichtig.
Die Faktenlage ist also ziemlich dürr. Es stimmt zwar, dass die Nachfrage in China gestiegen ist, genauso richtig ist aber auch, dass China selbst der viertgrößte Produzent der Welt ist und insoweit auch den Abbau selbst steuern kann. Die wichtigsten Akteure am Markt sind meines Erachtens nach wie vor die allesamt verschwiegenen Notenbanken, die auf Tausenden Tonnen von Gold sitzen, allein die Deutsche Bundesbank hortet 3 400 Tonnen. Wenn den Zentralbanken der Goldpreis „hoch genug“ ist, werden sie auch Kasse machen. Und jede Tonne zu viel kann dann zu einem ziemlichen Debakel führen. Am Gold hängt eben doch nicht alles, oder doch?
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