Archiv10/2006Kinderwunsch- und Wachstumsstudie (1998 bis 2000): Unzufrieden mit staatlicher Unterstützung

THEMEN DER ZEIT

Kinderwunsch- und Wachstumsstudie (1998 bis 2000): Unzufrieden mit staatlicher Unterstützung

Deutsches Ärzteblatt online, 10.03.2006, www.aerzteblatt.de/aufsaetze/0601

Voigt, Manfred; Bauer, N.; Fusch, Christoph; Beiner, St.; Rauchfuß, Martina; Hesse, Volker

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LNSLNS Zufriedenheit von Wöchnerinnen mit ihrer Lebenssituation unter Berücksichtigung eines Vergleiches zwischen neuen und alten Bundesländern

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Frage der Zufriedenheit von Wöchnerinnen mit ihrer Lebenssituation auseinander. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Betrachtung der Ergebnisse im Ost-West-Vergleich: Die unterschiedliche Gesellschaftspolitik der beiden deutschen Staaten wirkte mehr als 50 Jahre auf die privaten Belange und Einstellungen ihrer Bürger ein. Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung zeigen sich hinsichtlich der Zufriedenheit mit der Lebenssituation einerseits hoch signifikante Unterschiede, andererseits aber auch Übereinstimmungen zwischen den neuen und alten Bundesländern.
Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands verschmolzen zwei Staaten miteinander, die sich jahrzehntelang stark unterschieden. Die Familien- und Sozialpolitik der früheren Bundesrepublik favorisierte die „Hausfrauen- und Versorgerehe“. In der ehemaligen DDR war die Sozialpolitik auf die Förderung der erwerbstätigen Mutter ausgerichtet. Als Ergebnis dieser differenzierten Familienleitbilder sind enorme Ungleichheiten bei der Familiengründung und der Realisierung des Kinderwunsches entstanden. Demographische Indikatoren, wie Eheschließung und Scheidung, die Geburtenhäufigkeit, die Nichtehelichenquote und die Kinderlosigkeit, unterschieden sich bis zur Wiedervereinigung der beiden Systeme deutlich voneinander (2, 5, 6, 9, 12).
Nach der Wiedervereinigung kam es in den neuen Bundesländern zum Einbruch der Geburtenraten sowie zum Rückgang der Heirats- und Scheidungshäufigkeit und somit zu einem Einfrieren nahezu aller demographisch relevanten Entscheidungen. Was in der Literatur als „demographischer“ beziehungsweise „sozialstruktureller Schock“ diskutiert wird, ist das Ergebnis einer individuellen Strategie der Problembewältigung angesichts der enormen gesellschaftlichen Transformationsprozesse (13). Seit 1994 hat sich die Situation entspannt, und die Geburtenrate erreichte mit 1,2 Kindern pro Frau fast die westdeutsche Fertilität, die im Jahr 2000 bei durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau lag. Somit liegt die Geburtenziffer in Ostdeutschland weiterhin unter der Westdeutschlands. Die Demographen erwarten jedoch angesichts des konstanten Anstiegs der TFR4 (Gesamtfruchtbarkeitsziffer) eine Angleichung des reproduktiven Verhaltens an das westdeutsche Niveau.
Beschränkt man die Diskussion um die Angleichung des generativen Verhaltens auf die TFR, dann mag man dieser These zustimmen, bezieht man jedoch andere Faktoren mit ein, wie beispielsweise die Nichtehelichenquote, das Alter bei der Geburt des ersten Kindes und den zeitlichen Abstand zum zweiten Kind, zeigen sich auch heute noch deutliche Unterschiede im Ost-West-Vergleich: So wurden im Jahr 2000 in Ostdeutschland 51,5 Prozent der Kinder nichtehelich geboren. In Westdeutschland betrug dieser Anteil lediglich 18,6 Prozent (6). Des Weiteren kommt es auch in Ostdeutschland zwar zu einer zeitlichen Verschiebung der Realisierung der Kinderwünsche: Ostdeutsche Frauen sind aber dennoch bei der Geburt des ersten Kindes mit einem Median von 25 Jahren noch immer jünger als Frauen in Westdeutschland, die mit 30 Jahren ihr erstes Kind bekamen (8)5. Hinzu kommt, dass der zeitliche Abstand zum zweiten Kind zwischen Ost und West differiert. Während 50 Prozent der westdeutschen Frauen ihr zweites Kind innerhalb von 48 Monaten bekommen, liegt der Median der ostdeutschen Frauen bei 64 Monaten (5).
Die oben beschriebenen demographischen Indikatoren des generativen Verhaltens zeigen, dass nicht von einer Angleichung des generativen Verhaltens gesprochen werden kann, obwohl sich die TFR der alten und neuen Bundesländer zunehmend annähern. Obwohl sich die Rahmenbedingungen mit dem Ende der DDR für die neuen Bundesländer geändert haben, zeigen sich nach wie vor Unterschiede in den persönlichen Einstellungen bezüglich der Realisierung des Kinderwunsches. Dies ist eine der Hauptaussagen, die aus den Ergebnissen einer „Kinderwunsch- und Wachstumsstudie“ gezogen werden können (11). Ziel der Untersuchung war
es unter anderem, die Zufriedenheit von Wöchnerinnen mit ihrer Lebenssituation zu erfragen: Finden sich trotz der Angleichung der makrostrukturellen Rahmenbedingungen in den neuen und alten Bundesländern Differenzen in der mikrostrukturellen Ebene der Lebenssituation der befragten Wöchnerinnen?
Daten und Methode
Um dieser Frage nachzugehen, wurden in den Jahren 1998 bis 2000 bei einer bundesweiten Befragung 5 143 Wöchnerinnen zur Zufriedenheit und Einschätzung ihrer Lebensverhältnisse befragt. Darüber hinaus konnten die schulische, die berufliche und die soziale Situation der Frauen erhoben werden. Die Beteiligung war anonym und freiwillig und genügte den Anforderungen des Datenschutzes. Die Wöchnerinnen füllten während ihres Klinikaufenthalts den Erhebungsbogen aus. Dieser wurde von ihnen persönlich in einem Umschlag verschlossen. Die Bearbeitung erfolgte an der Universitätsfrauenklinik Rostock6. Zu Beginn der statistischen Analyse wurden umfangreiche Plausibilitätsprüfungen vorgenommen.
An dieser Studie beteiligten sich 29 Einrichtungen aus dem Bundesgebiet, davon zwölf in den neuen und 14 Einrichtungen in den alten Bundesländern7. Für die vorliegende Auswertung wurden ausschließlich Mütter mit deutscher Staatsangehörigkeit herangezogen, um die Homogenität der Stichprobe zu erhöhen. Aus den neuen Bundesländern gelangten 2 010 Fälle in die Auswertung, aus den alten Bundesländern 2 193 Fälle.
Folgende Frage des Erhebungsbogens wurde als Zielgröße zur Bearbeitung der Thematik herangezogen:
- Wie zufrieden sind Sie mit folgenden Bereichen Ihres Lebens: mit Ihrem Lebensstandard insgesamt; mit dem Einkommen Ihres Haushalts; mit Ihrer Wohnung; mit den Möglichkeiten der Kinderbetreuung; mit Ihrer Partnerschaft; mit der staatlichen Unterstützung von Familien?8
Da bei dieser Studie ausschließlich Frauen teilnahmen, die sich für ein (weiteres) Kind entschieden haben, können leider keine Vergleiche zu kinderlosen Frauen gezogen werden.
Ergebnisse
Abbildung 1 gibt die Zufriedenheit der Mütter mit ihrem Lebensstandard insgesamt wieder. Der Vergleich der Angaben der Wöchnerinnen aus den alten und neuen Bundesländern zeigt deutliche, statistisch hoch signifikante Unterschiede. Während in den neuen Bundesländern 71,9 Prozent der Wöchnerinnen „sehr“ beziehungsweise „eher zufrieden“ sind, liegt dieser Anteil in den alten Bundesländern bei 82,2 Prozent.

Bezieht man die Kinderzahl der Wöchnerinnen in den Vergleich mit ein, zeigt sich, dass mit zunehmender Kinderzahl die Zufriedenheit zurückgeht. Sind in den neuen Bundesländern Wöchnerinnen mit einem Kind noch zu 73 Prozent „sehr“ beziehungsweise „eher zufrieden“, so geht dieser Anteil bei Frauen mit drei und mehr Kindern auf 60,6 Prozent zurück. In den alten Bundesländern ist der Rückgang der Zufriedenheit geringer ausgeprägt (ein Kind: 84,7 Prozent; drei Kinder und mehr: 79 Prozent). Insgesamt fällt auf, dass die Zufriedenheit größer ist als in den neuen Bundesländern.
Abbildung 2 zeigt die Zufriedenheit der Wöchnerinnen mit ihrem Haushaltseinkommen. Auch hier zeigen sich signifikante Unterschiede. Danach waren 62,3 Prozent der Wöchnerinnen aus den alten Bundesländern mit ihrem Haushaltseinkommen „eher“ beziehungsweise „sehr zufrieden“. In den neuen Bundesländern waren es mit 42,2 Prozent deutlich weniger.
Die Frage nach der Höhe des monatlichen Nettoeinkommens des Haushalts zeigt, dass westdeutsche Haushalte deutlich mehr Geld zur Verfügung haben als Haushalte in Ostdeutschland (Abbildung 3). Da jedoch in Ostdeutschland nicht nur die Löhne, sondern zum Teil auch die Lebenshaltungskosten geringer sind als in Westdeutschland, ist diese Angabe nur bedingt aussagekräftig. Erwartungsgemäß schätzen Wöchnerinnen aus den neuen Bundesländern auch unter Berücksichtigung der Kinderzahl ihre Zufriedenheit mit dem Einkommen des Haushaltes schlechter ein als Wöchnerinnen aus den alten Bundesländern.

Abbildung 4 zeigt die Zufriedenheit von Wöchnerinnen mit den Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Zwar war die Zufriedenheit in Ost und West etwa gleich (alte Bundesländer 56,8 Prozent, neue Bundesländer 55,3 Prozent). Hoch signifikante Unterschiede zeigen sich vor allem im Bereich der Unzufriedenheit: In den alten Bundesländern waren 18,4 Prozent der Wöchnerinnen und damit 4,6 Prozentpunkte mehr als in den neuen Bundesländern mit den Möglichkeiten der Kinderbetreuung „eher“ beziehungsweise „sehr unzufrieden“. Berücksichtigt man die Kinderzahl, so zeigt es sich, dass die Zufriedenheit der Frauen mit zunehmender Kinderzahl ansteigt (ein Kind: neue Bundesländer 48,7 Prozent, alte Bundesländer 54,5 Prozent; drei Kinder und mehr: neue Bundesländer 63,6 Prozent, alte Bundesländer 61,4 Prozent).

Bei der Zufriedenheit der Wöchnerinnen mit ihrer Partnerschaft zeigen sich zwar Unterschiede, sie sind aber weniger signifikant als bei den oben beschriebenen Bereichen der erfragten Lebenssituation.
Zeigten sich bisher deutlich signifikante Unterschiede in den Angaben zur Zufriedenheit, so sind sich die Wöchnerinnen aus Ost und West bei folgender Frage einer Meinung: Beide Gruppen sind mit der staatlichen Unterstützung von Familien „eher“ beziehungsweise „sehr unzufrieden“ (neue Bundesländer 51,4 Prozent, alte Bundesländer 46,9 Prozent).
Unter Berücksichtigung der Kinderzahl variieren die Aussagen der Wöchnerinnen nur geringfügig. Lediglich 16 Prozent bis 18 Prozent der Frauen sind mit der staatlichen Unterstützung zufrieden. Bei den Wöchnerinnen mit zwei Kindern zeigt es sich, dass die Frauen aus den neuen Bundesländern mit 56 Prozent noch unzufriedener sind als die Frauen aus den alten Bundesländern: 47 Prozent (Abbildung 5). Keine signifikanten Unterschiede ergeben sich auch bei der Miteinbeziehung des monatlichen Haushaltseinkommens. Die Unzufriedenheit mit der staatlichen Unterstützung von Familien ist in den neuen wie den alten Bundesländern sehr hoch.

Diskussion
Die Ergebnisse zeigen hoch signifikante Unterschiede bei der Zufriedenheit der Wöchnerinnen im Ost-West-Vergleich. Eine Ausnahme bildet die Zufriedenheit mit der staatlichen Unterstützung von Familien. Die Untersuchung zeigt, dass sich die Wöchnerinnen mehr staatliche Unterstützung wünschen. Dies steht aber im Gegensatz zur Familienpolitik der BRD, die entsprechend des sozialkatholischen Prinzips der Subsidiarität als Leitbild der deutschen Sozialpolitik Leistungen vom Staat generell für nachrangig gegenüber der Selbsthilfe und Privatinitiative der Familien ansieht. Dies ist ein bedeutender Unterschied zur Familien- und Sozialpolitik in der ehemaligen DDR. In der BRD sollten Ehe, Familie und Geburten reine Privatsache bleiben. Eine Ganztagsbetreuung in Schulen und Kindergärten, wie in der ehemaligen DDR fast flächendeckend durchgesetzt, wurde als staatliche Einmischung in das Recht der Familie abgelehnt (10). Nichtsdestotrotz gibt es neben direkten beziehungsweise indirekten finanziellen Leistungen (Kindergeld beziehungsweise Kinderbetreuungseinrichtungen) sozialpolitische Maßnahmen (Kinderlastenausgleich, Leistungen der Sozialversicherungsträger, Kündigungsschutz für erwerbstätige Frauen und anderes).
Eine besondere Bedeutung dieser Maßnahmen errang jedoch der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Dies ist auch heute noch in beiden Teilen Deutschlands im Versorgungsgrad von Kinderkrippen (Betreuung von Kindern bis drei Jahre) zu erkennen (3). So war in Westdeutschland im Jahr 1998 eine Versorgungsquote9 von 102 Prozent für Kindergartenplätze zu beobachten, gegenüber einer Quote für Kinderkrippenplätze von nur drei Prozent. Von den zur Verfügung stehenden Kindergartenplätzen sind aber nur 20 Prozent der Vollzeitbetreuung zuzurechnen. Dagegen sind in Ostdeutschland Versorgungsquoten von 132 Prozent beziehungsweise 37 Prozent festzustellen. Auf die Möglichkeit der Ganztagsbetreuung sind aber 80 Prozent ausgerichtet (8). Das Angebot an Betreuungseinrichtungen in der ehemaligen DDR ermöglichte es den Müttern, nach der Geburt weiterhin Vollzeit beziehungsweise beinahe Vollzeit erwerbstätig zu sein, während in Westdeutschland andere Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Mutterschaft und Erwerbstätigkeit gefunden werden müssen (direktes soziales Umfeld beziehungsweise die privat finanzierte Kinderbetreuung). Außerdem reichen die bisherigen staatlichen Transferleistungen nicht aus, den Einkommensverlust infolge einer Elternschaft gegenüber Doppelverdiener-Paaren auszugleichen. Der Zuwachs an staatlichen Zuwendungen hat mit der allgemeinen Lohnentwicklung und der Verteuerung an Kinderkosten nicht Schritt gehalten (7).
Anders als in der DDR verzichtet der Staat darauf, die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Berufstätigkeit als Leitbild auszuschreiben. Insgesamt gesehen wird die Gleichzeitigkeit von Familien und Beruf durch die Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik eher benachteiligt. Die Freistellung von Müttern ist zwar im Mutterschutz- und Bundeserziehungsgeldgesetz geregelt, doch gibt es bisher wenig staatliche Bemühungen, die daraus resultierende Diskontinuität der weiblichen Berufsbiografie und die Benachteiligung aus Arbeitsmärkten zum Gegenstand einer kompensierenden Politik zu machen (4, 10).
Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass die familienpolitischen Maßnahmen in der ehemaligen DDR hauptsächlich der Frau und der Familie galten. So gab es finanzielle Zuwendungen und Erleichterungen unabhängig vom Ehestatus auch für allein erziehende Mütter. Diese Orientierung gilt in der BRD nicht. Alleinerziehende und nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kind werden somit relativ benachteiligt (1, 4, 10). In der ehemaligen DDR beruhte die Vereinbarkeit auf einer simultanen Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Mutterschaft und nicht auf einer phasenorientierten wie in der BRD (3-Phasen-Modell: Erwerbs-
arbeit – Kinderpause – Wiedereinstieg).
Fazit
Der Ost-West-Vergleich der Zufriedenheit von Wöchnerinnen zeigt auch heute noch Unterschiede. Während circa 82 Prozent der Wöchnerinnen in den alten Bundesländern insgesamt mit ihrem derzeitigen Lebensstandard zufrieden sind, sind dies in den neuen Bundesländern nur rund 72 Prozent. Aufgeschlüsselt nach der Kinderzahl steigt der Anteil der Unzufriedenen mit der Anzahl ihrer Kinder beträchtlich an, in Ostdeutschland stärker als in Westdeutschland.
Hinsichtlich der Zufriedenheit mit den Möglichkeiten der Kinderbetreuung sind weniger Unterschiede anzutreffen, als man erwarten könnte: Etwa die Hälfte der befragten Wöchnerinnen ist mit dem Angebot an Kinderbetreuung zufrieden (neue Bundesländer 55 Prozent, alte Bundesländer 57 Prozent). Gleichzeitig ist die Unzufriedenheit in den alten Bundesländern (18,4 Prozent) höher als in den neuen Bundesländern (13,8 Prozent). Die hohe Unzufriedenheit in Westdeutschland erklärt sich aus der geringeren Versorgungsquote für die Ganztagsbetreuung für Kinder. In Ostdeutschland haben sich die Möglichkeiten der Kinderbetreuung seit der Wiedervereinigung deutlich verschlechtert.
Gerade angesichts der aufgezeigten Unterschiede ist die gemeinsame Unzufriedenheit mit der staatlichen Unterstützung von Familien sehr auffällig. Hierbei ist sie in den neuen Bundesländern (51 Prozent) höher als in den alten Bundesländern (47 Prozent), was man auf die gesellschaftliche Transformation in Ostdeutschland zurückführen kann. Die Ursache für die hohe Unzufriedenheit in Westdeutschland dagegen ist in einer unzeitgemäßen Familienpolitik zu suchen, die keine Gleichzeitigkeit von Mutterschaft und Erwerbstätigkeit im Blick hat, sondern mit einem Nacheinander von Beruf, Kinderpause und Wiedereinstieg den Erwartungen der Frauen an eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht gerecht wird. Soll sich die Zufriedenheit zukünftig erhöhen, muss die gleichzeitige Vereinbarung von Familie und Beruf das Ziel der Politik werden. Der nationale Aktionsplan für ein kindgerechtes Deutschland 2005 bis 2010 könnte unter anderem ein Weg in die richtige Richtung bedeuten.

Literatur
1. Bast K, Ostner I: Ehe und Familie in der Sozialpolitik der DDR und BRD – ein Vergleich. In: Schmähl W (Hrgs.): Sozialpolitik im Prozess der deutschen Vereinigung, Berlin, New York, 1992: 228–270.
2. Bauereiß R, Bayer H, Bien W: Familienatlas II: Lebenslagen und Regionen in Deutschland – Karten und Zahlen. Opladen: Leske und Buderich 1997.
3. Dannenbeck C, Keiser S, Rosendorf T: Familienalltag in den alten und neuen Bundesländern – Aspekte der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In: Nauck B, Schneider N, Tölke A: Familie und Lebensverlauf im gesellschaftlichen Umbruch. Stuttgart: Enke Verlag, 1995: 103–118.
4. Dingeldey I: Einkommensteuersysteme und familiale Erwerbsmuster im europäischen Vergleich. In: Dingeldey I: Erwerbstätigkeit und Familie in Steuer- und Sozialversicherungssysteme. Opladen: Leske und Buderich, 2000: 11– 47.
5. Dorbritz J: Nuptualität , Fertilität und familiale Lebensformen in der sozialen Transformation – Übergang zu einer neuen Bevölkerungsweise in Ostdeutschland? Z Bevölkerungswiss, 1992: 167–196.
6. Engstler H, Menning S: Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik, Lebensformen, Familienstrukturen, wirtschaftliche Situation der Familien und familiendemografische Entwicklung in Deutschland. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) erw. Neuaufl. Bonn 2003.
7. Kaufmann FX: Zukunft der Familie. Stabilitätsrisiken und Wandel der familialen Lebensformen. München: Beck 1990.
8. Kreyenfeld M: Kinderbetreuungspolitik in Deutschland. Z Erziehungswiss, 2002; 2: 201–221.
9. Mayer KU: Familien im Wandel in Ost und West am Beispiel Deutschlands. In: Edelsein W, Kreppner J, Sturzbecher D (Hrsg.): Familie und Kindheit im Wandel. Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg, 1996: 13–29.
10. Vaskivics LA, Garhammer M, Schneider NF, Kabat Vel Job O: Familien- und Haushaltsstrukturen in der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland 1980 bis 1989 – ein Vergleich. Wiesbaden, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 1994.
11. Voigt M, Hesse V, Fusch C, Müller A, Salzmann T, Wittwer-Backofen U: Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland: Ein Ost-West-Vergleich von Wöchnerinnen. Dtsch Ärztebl 2005; 102: A 270 [Heft 5].
12. Wendt H: Familienbildung und Familienpolitik in der ehemaligen DDR. Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 1993.
13. Zapf W, Mau S: Eine demographische Revolution in Ostdeutschland. In: Informationsdienst Soziale Indikatoren (ISI), 1993; 10: 1–4.

Anschrift für die Verfasser:
Priv.-Doz. Dr. Dr. rer. med. Manfred Voigt
Abt. Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Zentrum für
Kinder- und Jugendmedizin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Soldtmannstraße 15
17487 Greifswald
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