ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2006Kinder-Vorsorgeuntersuchungen U 1 bis U 9: Im Fokus des G-BA

POLITIK

Kinder-Vorsorgeuntersuchungen U 1 bis U 9: Im Fokus des G-BA

Rieser, Sabine

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LNSLNS Kinder- und Jugendärzte fordern Ergänzung.
Mangelnder Spracherwerb, Übergewicht und Störungen der sozialen Entwicklung nehmen bei Kindern und Jugendlichen dramatisch zu. Das bisherige Vorsorgeprogramm reicht nicht mehr aus, diese Gefahren frühzeitig zu erkennen und Hilfen einzuleiten. Wir benötigen dringend zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen.“ Diese Auffassung hat Mitte Februar Dr. med. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), vertreten.
Dessen Mitglieder fordern, die bisherigen Untersuchungen (U 1 bis U 9) um vier neuere Angebote des BVKJ für Kinder von 3, 7 bis 8, 9 bis 10 und 16 bis 17 Jahren zu ergänzen (www.kinder aerzte-im-netz.de). Bislang übernehmen nur die privaten Kran­ken­ver­siche­rungen die Ausgaben dafür. Auf Mängel der U-Untersuchungen hat auch die Bundes­psycho­therapeuten­kammer aufmerksam gemacht. „Vorsorgeuntersuchungen vernachlässigen bisher fast vollständig psychische Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten“, heißt es in einer Stellungnahme. Zukünftig müsse auch die emotionale, psychosoziale und kognitive Entwicklung eines Kindes erfasst werden (www.bptk.de).
Die Krankenkassen haben es bisher allerdings weitgehend abgelehnt, die bestehenden U-Angebote zu erhöhen, wie es der BVKJ fordert, oder sie zumindest auszubauen. So hat beispielsweise eine Gruppe von Kinderärzten und Psychologen eine erweiterte Vorsorgeuntersuchung für alle Checks von der U 4 bis zur U 9 entwickelt (www.pits-online.nl).
Stattdessen haben die Kassen entschieden, die bisherigen Richtlinien für die U-Untersuchungen im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) komplett zu überarbeiten. Insider rechnen damit, dass dies zwei, möglicherweise auch fünf Jahre dauern wird. Ein Grund dafür ist, dass die Studienlage zu den bisherigen U-Untersuchungen schlecht ist. Zwar werden die Teilnahmeraten erfasst. Doch die Untersuchungsergebnisse selbst werden nirgendwo evaluiert. Lediglich das Hüftsonographiescreening wurde bislang ausgewertet. „Vieles von dem, was als Ergänzung gefordert wird, ist noch nicht evaluiert“, erläutert zudem Dr. Dominik Dietz, Leiter des Referats Prävention beim Bundesverband der Innungskrankenkassen. Eine umfassende wissenschaftliche Bewertung der ergänzenden U könnten die Kinderärzte nicht finanzieren, stellt allerdings Hartmann klar: „Hier müssen sich die Kassen finanziell beteiligen.“
Die Überprüfung einzelner Maßnahmen hat indes schon begonnen. Vor kurzem hat der G-BA das Institut für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beauftragt, das Amblyopiescreening und das Neugeborenen-Hörscreening auszuwerten. Möglicherweise werden weitere Aufträge folgen. Sabine Rieser
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