ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2006TK-Projekt: Erfolg herbeigeredet
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LNSLNS Als Mitglied sowohl in der QS-Kommission der KV Hessen und im damaligen Beratenden Fachausschuss Psychotherapie der KV als auch im Vorstand der Landespsychotherapeutenkammer Hessen war ich von Anfang an an der Diskussion über das TK-Modell zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie beteiligt. Ich kenne die 1. Projektversion, die den freien Zugang zum Psychotherapeuten durch eine vorgeschaltete Beratung durch den Medizinischen Dienst infrage stellte. Ich war nicht an der Unterschriftenaktion in Hessen beteiligt, da sie auf Fehlinformationen beruhte. Dennoch gehöre ich zu den kritischen Begleitern dieses TK-Modells. Wenn in Hessen die Zurückhaltung unter den Therapeuten groß ist, dann liegt das daran, dass hier eine umfangreiche und differenzierte Diskussion zum TK-Modell geführt wurde. Verbände, wie der Verband Hessischer Vertragspsychotherapeuten, haben dazu in den verschie-
denen Stadien der Verhandlungen alle Niedergelassenen ausführlich informiert. Die Diskussion vollzog sich dabei über zwei Jahre. Das dabei entstandene Problembewusstsein wird inzwischen sogar von ehemaligen Kritikern des Gutachterverfahrens geteilt. Ich vermute, dass in Westfalen-Lippe so vertieft die Diskussion mit den Niedergelassenen nicht stattgefunden hat. Die schnelle Erfüllung der Teilnehmerquote in Westfalen-Lippe kann somit nicht als Erfolg gewertet werden.
Veränderungen am TK-Modell, die überhaupt erst das TK-Modell für Niedergelassene einigermaßen akzeptabel machten, entstanden erst durch vermehrten Druck gerade aus den beratenden Fachausschüssen in Südbaden und Hessen, also von den KVen, in denen die Rekrutierungsphase verlängert werden musste, um genügend Teilnehmer zu gewinnen.
In Hessen beschäftigen wir uns übrigens schon lange mit Qualitätssicherung in der Psychotherapie, haben dazu Konzepte und einen Dokubogen vorgelegt. Wir sind also keine Qualitätssicherungsverhinderer. Allerdings gehen wir von der Prämisse aus, dass Qualitätssicherung in der Psychotherapie den Besonderheiten psychotherapeutischer Arbeit gerecht werden muss, nicht den therapeutischen Prozess stören darf beziehungsweise nicht allein über psychometrische Daten abbildbar ist.
Es wird spannend werden, wie die Patienten und Therapeuten die engmaschigen Testungen (gerade in der Verhaltenstherapie) annehmen werden. Effekte wird man bestimmt erzielen, und sei es den Versuchsleiter-Effekt oder den Hawthorne-Effekt.
Dipl.-Psych. Elisabeth Schneider-Reinsch, Psychologische Psychotherapeutin, Biebricher Allee 106, 65187 Wiesbaden
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