ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2006Gesundheitskarte: Patientenautonomie
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LNSLNS Der Autor des Kommentars meint, Schuld an der verspäteten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und anderen wichtigen Entwicklungen seien die übertriebenen, politisch überfrachteten und forcierten Bestrebungen nach Stärkung der Patientenautonomie. Zwar bewertet er das Ziel des mündigen Patienten als Herr und Hüter seiner Gesundheitsakte als richtig, wenn auch zurzeit nicht realisierbar, doch: „Für die meisten Bürger ist (. . .) die Hoheit über die eigenen Gesundheitsdaten, die sie nach dem Gesetz haben, de facto weder machbar noch wünschenswert“.
Wäre eine solche Haltung mehrheitsfähig, geriete der Patient (wieder oder immer noch?) zum Objekt medizinischen, staatlichen Handelns – der Wesensgehalt der unveräußerlichen Grundrechte im Grundgesetz würde ausgehöhlt. Der darauf basierenden Ansicht, der Arzt (die KK/KV) könne letztlich besser beurteilen, was für den Patienten notwendig und richtig ist, entspricht aufseiten des Behandelten die Fantasie beziehungsweise der Wunsch, sich mit komplexen Fragen seiner Krankheit nicht auseinander setzen zu müssen, sondern die Entscheidung über die Behandlung dem Arzt zu überlassen.
Die Erkenntnis, dass die Wirksamkeit ärztlichen und psychotherapeutischen Handelns auf einer intensiven, asymmetrischen Arbeitsbeziehung beruht, bei der beide Seiten das komplizierte Beziehungsgefüge von somatischen, intra- und interpsychischen Einflüssen kennen- und verstehen lernen, ist keineswegs neu. Sie steht allerdings fortwährend in der Gefahr, auf dem Altar einer straff durchorganisierten „new economy“ geopfert zu werden.
Jürgen Thorwart, Psychologischer Psychotherapeut, Johann-Sebastian-Bach-Weg 9, 82223 Eichenau
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