ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2006Heidelberger Studie: Wirksamkeit psychodynamischer Therapie bei Kindern

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Heidelberger Studie: Wirksamkeit psychodynamischer Therapie bei Kindern

PP 5, Ausgabe März 2006, Seite 134

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LNSLNS Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg haben mehrere Untersuchungen durchgeführt, um die Wirksamkeit psychodynamischer Kurzzeitpsychotherapie in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Angststörungen, Depressionen und Verhaltensstörungen zu prüfen. An einer Studie nahmen 13 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren mit Angststörungen und 13 Kinder einer Wartekontrollgruppe ohne Behandlung teil. Die Therapiegruppe wurde mit 25 Stunden psychodynamischer Psychotherapie über einen Zeitraum von vier Monaten behandelt. Bei elf Patienten wurden zusätzlich begleitende Elterngespräche durchgeführt. Die Therapien orientierten sich an einem Manual, das auf der Grundlage von psychoanalytischen Theorien der Triebtheorie, Ich-Psychologie, Selbstpsychologie, Objektbeziehungstheorien und Bindungstheorie entwickelt wurde. Diese Theorieperspektiven wurden für die Bearbeitung des Therapiefokus nutzbar gemacht. Der Therapiefokus stellte die zentrale unbewusste Konfliktsituation als neurotischen Konfliktkern oder die strukturelle Verfassung dar. Initial wurde in der Behandlung ein Fokussatz formuliert, in dem sich der zentrale Beziehungskonflikt abbildete. Die Bearbeitung des Therapiefokus fand in der direkten, therapeutischen Beziehung oder auf den Spiel- und Gestaltungsebenen statt. Die zum Einsatz kommenden Interventionstechniken waren am Therapiefokus orientiert und dabei strukturbezogen und expressiv deutend. Im Rahmen des Therapiemanuals wurden anhand der drei Behandlungsabschnitte Kennenlernen, Durcharbeiten und Abschiednehmen konkrete therapeutische Vorgehensweisen beschrieben, die mithilfe von Fallbeispielen illustriert wurden. In der begleitenden Arbeit mit den Eltern wurde diesen Gelegenheit gegeben, die Verhaltensweisen der Kinder auf dem Hintergrund ihres Gewordenseins in der Familie zu verstehen und soweit als möglich das Beziehungsmuster, innerhalb dessen die Störung entstanden ist und aufrechterhalten wird, zu verändern.
Am Ende der Therapie zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen: Während in der Therapiegruppe 62 Prozent der Kinder eine Verbesserung aufwiesen, waren es in der Wartegruppe nur acht Prozent. Die Kurzzeittherapien mit Kindern, die von Depressionen und Verhaltensstörungen betroffen waren, verliefen ähnlich wie die beschriebene Therapie bei Angststörungen. Auch hier wurden signifikante Verbesserungen erzielt. Im Vergleich zu diesen Störungsbildern konnten Patienten mit Angststörungen jedoch erfolgreicher behandelt werden. So erreichte die psychodynamische Kurzzeitpsychotherapie bei Angststörungen eine Effektstärke von 1,6 im Vergleich zu depressiven Störungen mit 1,3 und Verhaltensstörungen mit 0,6. „Demnach sind Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen mit psychodynamischer Kurzzeitpsychotherapie besonders erfolgreich behandelbar“, meint Dr. med. Klaus-Thomas Kronmüller. Die erzielten Effektstärken sind mit denen verhaltenstherapeutischer Behandlungstechniken vergleichbar. So liegt etwa die Mehrzahl der verhaltenstherapeutischen Angstbehandlungskonzepte bei Effektstärken zwischen 0,8 und 2,3. Ein Teil der Patienten der Heidelberger Studie konnte dennoch nicht erfolgreich behandelt werden, was nahe legt, dass diese Patienten eine intensivere Behandlung oder ein anderes therapeutisches Vorgehen benötigen. ms

Kronmüller KT et al.: Zur Wirksamkeit psychodynamischer Kurzzeitpsychotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Angststörungen. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie; 2005; 7: 559–77.

Dr. med. Dipl.-Psych. Klaus-Thomas Kronmüller, Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg, Voßstraße 4, 69115 Heidelberg, E-Mail: klaus_kronmueller@med.uni-heidelberg.de
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