ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2006Spiritualität und Kreativität in der Psychotherapie mit älteren Menschen

BÜCHER

Spiritualität und Kreativität in der Psychotherapie mit älteren Menschen

Bäurle, Peter; Förstl, Hans; Hell, Daniel; Radebold, Hartmut; Riedel, Ingrid; Studer, Karl

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Ältere Menschen: Angst, vergessen zu werden
Peter Bäurle, Hans Förstl, Daniel Hell, Hartmut Radebold, Ingrid Riedel, Karl Studer (Hrsg.): Spiritualität und Kreativität in der Psychotherapie mit älteren Menschen. Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen u. a., 2005, 330 Seiten, 47 Abbildungen, 12 Tabellen, kartoniert, 34,95 €
Die Psychotherapie alter Menschen wird in Zukunft ein gewaltiges Problem werden, denn die Rede von der alternden Gesellschaft konkretisiert sich auch hier. Verdienstvoll ist es, wenn die Herausgeber, alle erfahren auf diesem Gebiet, ein Symposium zum Thema veranstaltet haben, dessen Beiträge im Sammelband abgedruckt sind. Er enthält gehaltvolle Beiträge über die Dimension des Spirituellen im Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, und Judentum , stets bezogen auf die Frage, was wir von dort für die Psychotherapie älterer Menschen lernen kön-
nen. Der wissenschaftliche Ra-
tionalismus, der sich in der Medizin so erfolgreich durchgesetzt hat, hat wenige Antworten auf Fragen nach Sinn und Existenz. Doch die werden von alten Menschen schon in der ärztlichen Begegnung gestellt. Manchmal verschlüsselt und indirekt, aber wenn sich der Therapeut selbst öffnen kann für diese Dimensionen, spüren das die alten Menschen und reagieren ihrerseits dankbar.
Wir leben heute in schnellen Umschlagplätzen der Zeit. Die Angst, vergessen zu werden, bewegt die meisten. Ein Symptom dafür ist, dass in Städten wie Chemnitz 70 Prozent der Bestattungen anonym abgewickelt werden sollen, wie gemeldet wurde. Traditionen werden aufgelöst, Individualitäten ignoriert, persönliche Lebensleistungen entwertet.
Das Buch ist in fünf Abschnitte gegliedert: Nach Grundlagen und Vorbemerkungen folgt ein Abschnitt über Spiritualität mit sehr informativen Beiträgen, dann ein Beitrag über Kreativität mit teils empirischen Berichten, der unter anderem die Frage aufgreift, warum die Kreativitätsforschung die Frauen vergisst, und festhält, dass Kreativität nichts mit Intelligenz zu tun hat – Kreativität mindert sich nicht im Alter. Ein vierter Abschnitt zeigt Behandlungsansätze aus geistig-seelischer Sicht, ein fünfter Abschnitt befasst sich mit den Auswirkungen auf die Psychotherapie. Die, so hält Hartmut Radebold im Schlussbeitrag fest, sind gegeben. Denn die Verleugnung des Alters, des Sterbens und des Todes wirft in der Psychotherapie Jüngerer ernste Probleme auf; hier kann die gesamte Psychotherapie einmal bei den Alten in die Lehre gehen. Michael B. Buchholz
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