ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2006Manisch-depressiv? Was Betroffene und Angehörige wissen sollten

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Manisch-depressiv? Was Betroffene und Angehörige wissen sollten

Meyer, Thomas D.

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LNSLNS Bipolare Störung: Selbsthilfeansatz
Thomas D. Meyer: Manisch-depressiv? Was Betroffene und Angehörige wissen sollten. Beltz Verlag, Weinheim, Basel, 2005, VI, 184 Seiten, gebunden, 24,90 €
Die 180 Seiten des Buches gliedern sich in zwei etwa gleich umfangreiche Teile. Im ersten Teil geht es um das Krankheitsbild der bipolaren Störung mit seinen diagnostischen Facetten, um Ursachen und Auslöser der Erkrankung und um die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten. Der zweite Teil vermittelt den verhaltenstherapeutischen „Selbstmanagement“-Ansatz und gibt viele praktische Anregungen, wie durch bessere Selbstbeobachtung, Stressreduktion und spezielle Notfallmaßnahmen vorbeugend Schlimmeres verhütet werden kann.
Die für eine Ratgeberlektüre notwendige Komplexitäts-
reduktion gelingt dem Autor durch eine Beschränkung auf zwei Kernaussagen, die den psychiatrischen und verhaltenstherapeutischen Common Sense zusammenführen. Wichtig sind danach auf der einen Seite die richtige Diagnose und Medikation, auf der anderen Seite klare Informationen zur Krankheit, Übungen zum Erkennen von Frühwarnsymptomen und Handlungsanweisungen zur Minimierung belastender Faktoren.
Das gängige Vulnerabilitäts-Stress-Modell wird erläutert. Es bleibt allerdings bei einer Aufzählung allgemeiner Stressfaktoren, wie Ehekonflikte, zu wenig Schlaf oder alltäglicher Stress. Hier könnte ein Blick über den Tellerrand der Verhaltenstherapie und eine mehr psychologische Aufklärung krankheitstypischer Konflikte, disponierender Persönlichkeitsvariablen und kognitiver Schemata das Thema abrunden.
Die These, bei der Behandlung der bipolaren Störung sei es „genau wie bei der Behandlung von Herzkrankheiten oder anderen Erkrankungen“, lässt ein Krankheitsmodell erkennen, das dem subjektiven Faktor nur wenig Beachtung schenkt. Manisch-depressiven Störungen wird außerhalb von Pathologie kein Sinnbezug zuerkannt, weder als mögliche Endstrecke einer normal-menschlichen Verhaltensbereitschaft noch als kontextuell verstehbares Verhalten. Eine solche konzeptionelle Vereinfachung mag aber auch der psychoedukativen Absicht des Autors geschuldet sein, den Leser – soweit selbst betroffen – nicht zu überfordern und seine Krankheitseinsicht zu fördern.
Die Stärken des Buches liegen in der für Laien gut verständlichen Vermittlung des psychiatrischen „State of the Art“ zum Krankheitsbild und in einem mit etlichen praktischen Umsetzungsvorschlägen angereicherten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Selbsthilfeansatz. Gerd Möhlenkamp
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