ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Versorgungsleitlinien im Internet: Keine „Einbahnstraße“

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Versorgungsleitlinien im Internet: Keine „Einbahnstraße“

Dtsch Arztebl 2006; 103(11): A-658 / B-566 / C-546

Sänger, Sylvia

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Programm für Nationale Versorgungs-Leitlinien mit erweitertem Webauftritt

Unter www.versorgungsleitlinien.de gibt das Programm für Nationale Versorgungs-Leitlinien einen Überblick über die fertig gestellten und in Bearbeitung befindlichen Leitlinien, die Erstellungsmethoden und die Implementierungsmaßnahmen. Interaktive Bereiche ermöglichen es, die Leitlinien und die Begleitmaterialien zu kommentieren und Fragen zu stellen. Das Programm wird von der Bundes­ärzte­kammer, der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung getragen und vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin umgesetzt.
Nationale Versorgungsleitlinien (NVL) sind Orientierungs- und Entscheidungshilfen über die angemessene ärztliche Vorgehensweise bei speziellen gesundheitlichen Problemen im Rahmen der strukturierten Versorgung definierter Patientengruppen, vor allem Chroniker. Das Besondere an NVL ist, dass sie die gesamte Versorgungskette von der Prävention bis zur Langzeitbetreuung abbilden, die Nahtstellen zwischen den beteiligten Disziplinen und Versorgungsbereichen definieren, Hilfestellungen für die Versorgungskoordination geben und die organisatorischen Rahmenbedingungen für die Realisierung einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung berücksichtigen. Die Angaben zu Untersuchungen und Behandlungen der beschriebenen Erkrankungen stützen sich auf wissenschaftliche Nachweise. Bei der Erstellung der NVL werden Schlüsselempfehlungen bereits vorhandener evidenz- und konsensbasierter Leitlinien adaptiert und zusammengeführt. Fragen, die für die strukturierte Versorgung relevant und auf dieser Basis nicht hinlänglich zu beantworten sind, werden systematisch aufgearbeitet.
Um die Anwendung von NVL in Klinik und Praxis zu unterstützen, werden begleitend Implementierungsmaterialien entwickelt, die sich sowohl an Ärzte und medizinisches Personal als auch an Patienten und deren Angehörige richten. Die Erstellung von Versorgungsleitlinien ist keine „Einbahnstraße“. Erfahrungen und Erkenntnisse der klinisch und praktisch tätigen Ärzte und auch von Patienten, die bei der Anwendung der Leitlinien gesammelt werden, werden berücksichtigt.
NVL Asthma ist die erste Versorgungsleitlinie, die in der beschriebenen Komplexität online geht. Unter www.versorgungsleitlinien.de/themen/
asthma stehen die Volltexte der NVL und der zugehörigen Patientenleitlinie zur Verfügung, ebenso die Volltexte von und Verlinkungen zu Implementierungsmaterialien sowie Informationen zur Methodik.
Häufig gestellte Fragen zum Umgang mit NVL beantwortet ein Glossar. Zu jedem Glossarbegriff kann man über ein interaktives Formular Fragen stellen, die bearbeitet und aufgenommen werden. Weil sich NVL auch an Patienten und die interessierte Öffentlichkeit wenden, wurde für diese unter www.versorgungsleitlinien.de/patienten eine gesonderte Seite eingerichtet. Wichtig für die Nutzer ist die Rubrik „Aktuelles“, in der unter anderem über neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf die NVL berichtet wird.
Das Web-Angebot verfolgt damit drei wesentliche Ziele: Information, Transparenz und Interaktion. Dies zeigt sich nicht nur in der Darlegung der Methodik des Erstellungsprozesses, sondern auch in der Transparenz der Interaktion mit den Nutzern. So werden sämtliche Kommentare, die medizinische Experten und Patienten in Verbindung mit dem Entwicklungs- und Anwendungsprozess der Leitlinie verfasst haben, frei zugänglich veröffentlicht.
Zurzeit werden die Versorgungsleitlinien zu den Themen chronisch obstruktive Lungenerkrankung, chronisch koronare Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes bearbeitet.
Sylvia Sänger, saenger@azq.de
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