ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Ausbildungsfinanzierung an Krankenhäusern: Verständigung auf Länderebene

POLITIK

Ausbildungsfinanzierung an Krankenhäusern: Verständigung auf Länderebene

Dtsch Arztebl 2006; 103(11): A-664 / B-572 / C-552

Gerst, Thomas

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Foto: Caro
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Nach dem Scheitern einer bundesweiten Lösung haben sich Krankenkassen und Krankenhausgesellschaften bereits in vier Ländern auf Ausbildungsfonds geeinigt.

Noch gegen Ende 2005 sahen die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Pflegerat (DPR) den Pflegenotstand auf Krankenhäuser zukommen. Als Grund hierfür wurde auf die gescheiterten Verhandlungen mit den Krankenkassen über die Finanzierung der nichtärztlichen Ausbildung an Krankenhäusern verwiesen. Man hatte sich nicht auf bundesweit geltende Richtwerte für die Ausbildungsbudgets einigen können. Tausende von Ausbildungsplätzen – so der Deutsche Pflegerat – seien gefährdet. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium wurde aufgefordert, auf dem Wege der Ersatzvornahme mit einer Rechtsverordnung die Richtwerte für die Ausbildungsbudgets festzulegen. Dies lehnte das Ministerium mit Verweis auf weiterhin mögliche krankenhausindividuelle Vereinbarungen zur Ausbildungsfinanzierung ab und regte weitere Verhandlungen an.
Nunmehr scheint auf Länderebene eine Zwischenlösung des Problems in Sicht. Die Mitteilung der Krankenkassen über die erste Vereinbarung in Niedersachsen erfolgte am 16. Dezember 2005 – also gerade einen Tag nachdem DKG und DPR in Berlin auf den drohenden Pflegenotstand hingewiesen hatten. Um Wettbewerbsnachteile für ausbildende Krankenhäuser zu vermeiden, einigten sich die niedersächsischen Vertragspartner auf einen Ausbildungsfonds. Unabhängig vom Ausbildungsgeschehen am jeweiligen Krankenhaus zahlen die Krankenkassen seit Beginn dieses Jahres 75 Euro je Patient. Dieses Geld fließt in einen Fonds bei der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, aus dem heraus das Geld unter den ausbildenden Krankenhäusern verteilt wird. Insgesamt stehen jährlich mehr als 115 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Vereinbarung habe Modellcharakter für andere Bundesländer, betonte VdAK-Landeschef Jörg Niemann.
Das scheint tatsächlich so zu sein. Inzwischen sind die Vertragspartner in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen dem niedersächsischen Beispiel gefolgt. Auch hier müssen sich die ausbildenden Krankenhäuser künftig nicht individuell in Verhandlungen mit den Krankenkassen um die Ausbildungsfinanzierung kümmern, sondern die Finanzierung der Ausbildungsplätze ist durch Fonds abgesichert. In Baden-Württemberg zum Beispiel rechnen die 256 am Fonds beteiligten Krankenhäuser einen Ausbildungszuschlag in Höhe von 84,41 Euro für jeden Patienten ab. Die so für die Ausbildungsfinanzierung zur Verfügung stehende Summe in Höhe von rund 160 Millionen Euro wird an die 127 ausbildenden Krankenhäuser entsprechend der Anzahl ihrer Ausbildungsplätze verteilt. Im Durchschnitt werden pro Jahr und pro beschäftigten Auszubildenden an die baden-württembergischen Krankenhäuser in der Kranken- und Kinderkrankenpflege 17 087 Euro, in der Krankenpflegehilfe 11 453 Euro ausgeschüttet. Insgesamt sollen über den Ausgleichsfonds in Baden-Württemberg 10 403 Ausbildungsplätze gesichert werden
Beim VdAK geht man davon aus, dass bis 2007 in allen Bundesländern Ausbildungsfonds eingerichtet sein werden. Die neue Ausbildungsfinanzierung war nötig geworden, weil in den neu eingeführten Krankenhaus-Fallpauschalen keine Kostenansätze für Ausbildungstätigkeit mehr enthalten sind. Thomas Gerst

Ausbildung am Krankenhaus
In den nichtärztlichen Krankenhausberufen wird die Ausbildung über die Krankenhausentgelte finanziert. Dies gilt für die folgenden Berufe:
- Ergotherapeut/-in
- Diätassistent/-in
- Hebamme, Entbindungspfleger, Wochenpflegerin
- Krankengymnast/-in, Physiotherapeut/-in
- Krankenpfleger, Krankenschwester
- Kinderkrankenpfleger, Kinderkrankenschwester
- Krankenpflegehelfer/-in
- medizinisch-technische/-r Laboratoriumsassistent/-in
- medizinisch-technische/-r Radiologieassistent/-in
- Logopäde, Logopädin
- Orthoptist/-in
- medizinisch-technische/-r Assistent/-in für Funktionsdiagnostik
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