ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Vogelgrippe: Aufgebauschte Superkrankheit
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LNSLNS Die Deutschen lässt die künstlich herbeigeredete Bedrohung weitestgehend kalt. Dies lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass es schon immer tote Wildvögel gab . . . Der Unterschied ist, dass die Pharmaindustrie nun ein Laborverfahren etabliert, mit dem bei erkrankten bzw. toten Tieren ein Virus nachgewiesen werden kann. In einer strategisch angelegten Informationspolitik der Pharmaproduzenten werden die Medienvertreter stufenweise auf die Eskalation vorbereitet: erst eine tote Gans, dann die regionale Ausbreitung, nun eine einzelne Katze, demnächst vielleicht ein Hund – und dann? Auf diese Weise lässt sich mit einem messbaren Laborwert und einem Ansteckungsgespenst Furcht erzeugen. Furcht, die für aktionistische Arzneimitteleinkäufe mancher Landesregierungen sowie ahnungsloser Bürger sorgt – der Pharmaindustrie beschert die Vogelgrippe schließlich willkommene Gewinne. Dabei führt kollektive Furcht bekanntermaßen zu einer schnelleren Ausbreitung von Krankheiten in der Bevölkerung als jedes bisher bekannte Virus. In Krisenzeiten haben sich Infektionskrankheiten stets rasant entwickelt. Die aufgebauschte Superkrankheit sichert der forschenden Pharmaindustrie finanzielle Unterstützung durch Land und Bund. Schließlich will man ja als besorgter Politiker den aufgescheuchten Bürgern vermitteln, dass nun die drohende Epidemie verhindert würde, indem man schnell neue Wunderwaffen gegen die Tierseuche erfindet. Die Kosten sollen im Behandlungsfall die ohnehin gebeutelten knappen Krankenkassen tragen und würden damit wieder einmal dem Einfluss einer übermächtigen und profitgierigen Pharmaindustrie erliegen. Horst Seehofer führt einen weiteren Aspekt an: Impfungen seien keine wirksame Maßnahme zur Lösung des Problems. Dennoch wird die Pharmaindustrie die selbst gemachte Vogelgrippe nutzen, um die Verkaufsförderung ihrer Arznei- und Impfstoffe weiter zu betreiben. Die tatsächlich wirksamen Präventionsmaßnahmen, nämlich die Entsorgung toter Wildvögel ohne reißerische Titelstory, eine artgerechte Tierhaltung sowie eine gesunde Lebensweise der Menschen würden das herbeigeredete Problem in die Bedeutungslosigkeit versinken lassen.
Andreas Roll, Stuttgarter Straße 52, 71672 Marbach
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