ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Ärzte als IM: Auf die Seite der „Täter“ gestellt
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LNSLNS Aus dem wohlwollenden Blickwinkel der Autoren wird eine typische „Täter“-Persönlichkeit skizziert und charakterisiert durch:
« eingeschränkte Wahrnehmung und fehlendes Unrechtsbewusstsein,
¬ ungehemmtes Geltungsbedürfnis,
­ Vertrauen darauf, dass niemand von Verpflichtung und IM-Tätigkeit erfährt.
Bedeutsam ist die eingeschränkte Wahrnehmung der Konsequenzen von Berichten über Freunde und Kollegen, gravierend die unterdrückte Erinnerung an den Bericht auch über Patienten. Belastendes wird verdrängt, die Sympathie erheischende, subjektive Notlage wird thematisiert. Das Geltungsbedürfnis generiert eine willfähige Informationsquelle, die Kollegen und Freunde ausgespäht, denen freundschaftlich-kollegiales Mitgefühl geheuchelt wird bei der vertrauensvollen Schilderung von persönlichen Problemen. Mit der nach eigenem Gutdünken gewichteten Weitergabe oder Zurückhaltung von Informationen erheben sie sich zum Richter über persönliche und berufliche Schicksale. Aber nicht nur das, vielmehr sind sie sofort und unaufgefordert nach der „Wende“ an die Spitze von neu gegründeten Parteien und Organisationen geeilt. Bekannt ist dies von kleinen Parteien und dem Schicksal der im gegenseitigen Einverständnis gewählten Führungsriege, die später in toto als MfS- respektive MfS-nahe Mitarbeiter enttarnt wurde. Auch hier korrigierte der „Gauck-Bescheid“ eine angestrebte berufspolitische Karriere . . . Nachdrücklich zu fordern ist, dass das DÄ nicht zur Plattform wird für Darstellungen mit der Sympathie für die („ . . . relativ schmaler Berichtsordner . . .“, „ . . . vergleichsweise geringe Anzahl von Berichten.“; „Ein einziges Mal berichtete . . .“, Kasten 2.) und aus dem Blickwinkel der „Täter“ . . . Befremdlich ist zudem, dass sich das DÄ auf die Seite der „Täter“ stellt und denen, die sich zumindest formal zu ihrer belasteten Vergangenheit – vielleicht auch unter dem Druck einer unberechtigt unterzeichneten Ehrenerklärung – bekennen, dem Prinzip des MfS folgend Alias-Namen gibt. Die „Opfer“ waren den „Tätern“ immer gut und bis in ihren intimsten Bereich hinein bekannt, die „Täter“ werden durch Schwärzung und Abkleben in den Akten der „Opfer“ und so in ihren derzeitigen Positionen geschützt . . .
Prof. Dr. med. Frank Hentschel, Bolandenstraße 10, 67067 Ludwigshafen
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