ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Medizingeschichte(n): Lungentuberkulose – Wein als Heilmittel

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Medizingeschichte(n): Lungentuberkulose – Wein als Heilmittel

Dtsch Arztebl 2006; 103(11): A-704 / B-600 / C-580

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Ich habe den Wein zuerst in die Behandlung der Lungenschwindsucht eingeführt und zwar als Heilmittel, weil er die Herzcontraction vermehrt und verstärkt, und dann auch als Sparmittel für die Ernährung. Leider ist er von meinen Nachfolgern jetzt meist nur als Genussmittel und zwar in einem solch excessiven Maasse angewendet worden, dass ich diese Anwendung nicht mehr als Theil meiner Heilmethode, sondern nur als Auswuchs derselben betrachten kann. [...]
Und doch besteht ein grosser Unterschied zwischen Wein und Bier für Phthisiker [1], so dass ich in meiner Heilanstalt stets den Biergenuss bei Lungenschwindsüchtigen ausgeschlossen habe, noch ehe die Gründe dafür wissenschaftlich festgestellt waren. Mir genügte die Beobachtung, wie verschieden der Alcohol im Bier und im Wein auf den Menschen wirkt, die man machen kann, wenn man den wirklichen Bayer in München und den Bayer in der Rheinpfalz als Vergleichsobjecte [2] benützt. [...] Bier ist also kein Getränk für Lungenkranke. [3] [...] Beobachtungen zeigen doch unwiderleglich, wie vorsichtig man mit dem Alcohol umgehen und ihn auf das Maass reduciren muss, das zur Heilung unbedingt nöthig ist. Der Alcohol muss also bei Phthisikern nur Heilmittel bleiben und nicht ein Genussmittel werden, um sich eine angenehme Erregung zu verschaffen. Und ich kann versichern, dass ich mit 2–3 Weingläser Wein täglich sehr gut auskomme.“

Hermann Brehmer: Die Therapie der chronischen Lungenschwindsucht. Wiesbaden: Bergmann 1887, Seite 283 f. und Seite 291 f. – Brehmer (1826–1889) wird hier als „Dirigirender Arzt der Heilanstalt für Lungenkranke in Görbersdorf“ vorgestellt. Er vertrat die Ansicht, dass die Lungenschwindsucht durch das Missverhältnis zwischen einem zu schwachem Herzen und einer zu voluminösen Lunge verursacht wird. Er gründete 1854 in Görbersdorf im Waldenburger Gebirge (Schlesien) ein Sanatorium für Lungenkranke und initiierte damit die Schaffung von „Höhenkurorten“. [1] griechisch phthísis = Auszehrung, Schwindsucht. [2] Das heißt: bayerische Bier- versus
pfälzische Weintrinker. [3] Da es die Verdauung angeblich belastet.

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