ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Öffentliche Fördermöglichkeiten: Kaum genutzte Kredite

VARIA: Wirtschaft

Öffentliche Fördermöglichkeiten: Kaum genutzte Kredite

Vetter, Michael

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LNSLNS Nur wenige Ärzte kennen die Programme der Mittelstandsbank.

Neben den Betriebsmittelkrediten und langfristigen Darlehen der Kreditinstitute stehen zur Finanzierung von Betriebs- und Praxisinvestitionen mehr als 50 Milliarden Euro an zinsgünstigen öffentlichen Förderkrediten zur Verfügung. Dieses Angebot wird von den Ärzten jedoch kaum genutzt. Vielen Ärzten fehlt offenbar die Zeit, sich mit der Vielzahl unterschiedlicher Finanzierungsprogramme in der Praxis auseinander zu setzen. Selbst Steuerberater kapitulieren häufig vor dem erforderlichen Aufwand, der mit der Suche nach den für Branche und Verwendungszweck geeigneten Krediten meist verbunden ist.
Andererseits tragen auch die Bankinstitute zu dieser unbefriedigenden Situation bei: Die öffentlichen Förderprogramme werden häufig kaum erwähnt, weil bankeigene Investitionskredite im Vergleich zu öffentlichen Förderkrediten für den Kreditgeber lukrativer sind. Dabei beschäftigen die Banken und Sparkassen kompetente Kundenberater, die sich auf öffentliche Finanzierungen spezialisiert haben. Da diese Kredite über ein Bankinstitut beantragt werden müssen, sollte der Kunde auf einer umfangreichen Beratung bestehen.
Der wohl wichtigste Ansprechpartner bei öffentlichen Krediten ist mit der „Mittelstandsbank“ ein Kreditinstitut, das aus der in der Vergabe öffentlicher Finanzmittel bisher führenden Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) hervorgegangen ist. Die Mittelstandsbank bündelt die Förderprogramme für kleine und mittelständische Unternehmen ebenso wie zum Beispiel für Existenzgründer. Ein wichtiger Schritt in Richtung Förderung ist, die öffentlichen Kredite bei der Hausbank mit einem gemeinsamen Antragsformular von KfW und DtA zu beantragen.
Als Teil der Gründer- und Mittelstandsoffensive des Bundes soll die neue Mittelstandsbank potenziellen Kreditnehmern künftig vor allem kostengünstiger und effektiver als bisher bei Finanzierungen helfen. Bei dieser beabsichtigten Optimierung dürfte die geplante Bereinigung der vielfältigen Kreditprogramme von großer Bedeutung sein. Überschneidungen verschiedener Kreditangebote soll es ebenso wenig geben wie unnötigen Verwaltungsaufwand.
Für den Arzt wird sich an der bisherigen Beantragungspraxis bei einem Kreditinstitut vor Ort nichts ändern. Diese „Durchleitungsfunktion“ der eingebundenen Banken und Sparkassen und die damit verbundene örtliche Prüfung der Kreditwürdigkeit des Arztes als Antragsteller bleiben also erhalten.
Vor der Weiterleitung der Finanzierungsunterlagen an die öffentlichen Kreditgeber analysieren Banken und Sparkassen das Zahlenwerk des Arztes und gewinnen auf diesem Weg einen profunden Einblick in die finanzielle Situation und damit in die Stärken und Schwächen ihres Kreditnehmers. Mit den so ermittelten Kennzahlen können die Banken betriebliche Zahlungsströme zuverlässig messen und einschätzen, finanzielle Grundlagen für die zukünftige Praxisentwicklung ermitteln und Soll-Ist-Vergleiche mit der eigenen Praxis beziehungsweise Vergleiche mit anderen Praxen herstellen.
Zur Ratingpraxis der Banken
Die Kennzahlen der kurzfristigen Liquidität zeigen den Banken, wie schnell der Arzt kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Sie werden durch das Verhältnis von flüssigen Mitteln (Kasse, Bankguthaben, Schecks, kurzfristigen Forderungen, Waren) zu kurzfristigen Verbindlichkeiten ermittelt. Dazu gehören vor allem Kontokorrentkredite, Verbindlichkeiten aus Lieferungen/Leistungen, erhaltene Anzahlungen, kurzfristige Rückstellungen und sonstige Verbindlichkeiten.
Unterschieden wird:
c Liquidität 1. Grades = Liquide Mittel geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten (fällig innerhalb eines Jahres);
c Liquidität 2. Grades = Liquide Mittel plus Forderungen (fällig innerhalb eines Jahres) geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten (fällig innerhalb eines Jahres) und
c Liquidität 3. Grades = Liquide Mittel plus Forderungen (fällig innerhalb eines Jahres) plus Warenbestand geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten (fällig innerhalb eines Jahres).
Das Ergebnis sollte jeweils größer oder gleich eins sein.
Die langfristige Liquidität wird durch Deckungsrelationen oder Deckungsgrade ausgedrückt, in denen Vermögenswerte des Arztes entsprechenden Verbindlichkeiten gegenübergestellt werden:
c Deckungsgrad 1 = Eigenkapital geteilt durch Anlagevermögen;
c Deckungsgrad 2 = Eigenkapital plus langfristiges Fremdkapital geteilt durch Anlagevermögen und
c Deckungsgrad 3 = Eigenkapital plus langfristiges Fremdkapital geteilt durch Anlagevermögen plus Warenbestand.
Auch hier sollte das Ergebnis jeweils größer oder gleich eins sein.
Der Cashflow dient der Ermittlung des aus dem erwarteten Umsatz resultierenden finanzwirtschaftlichen Überschusses der Arztpraxis. Er ist also der Teil der Einnahmen einer Periode, der dem Praxisbetrieb nach Abzug aller Ausgaben innerhalb dieses Zeitraumes zur Verfügung steht. Der Cashflow zeigt, in welchem Umfang der Betrieb in der Lage sein wird, sich von „innen heraus“ zu finanzieren und damit von Kapitalgebern möglichst unabhängig zu sein.
Die vereinfachte Cashflow-Formel lautet: Jahresüberschuss plus Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen plus Abschreibungen auf Finanzanlagen plus Erhöhung (minus Verminderung) möglicher Pensionsrückstellungen = Cashflow. Aus dem Cashflow wird der „dynamische Verschuldungsgrad“ abgeleitet. Diese Kennzahl zeigt die Entschuldungskraft der Praxis: Dynamischer Verschuldungsgrad = Fremdkapital geteilt durch Cashflow.
Die Verschuldung einer Praxis sollte das Drei- bis Vierfache des durchschnittlichen Cashflows der vergangenen drei Jahre nicht überschreiten. Kann dieses Verhältnis nicht eingehalten werden, ist die Kreditwürdigkeit der Praxis gefährdet. Michael Vetter



Die wichtigsten Kreditprogramme
- Kreditprogramme zur Finanzierung gewerblicher Investitionen
- Kreditprogramme zur Finanzierung von Umweltinvestitionen
- Kreditprogramme zur Finanzierung von Innovationen, innovativen
Technologien und Beteiligungen
- Kreditprogramme zur Finanzierung von wohnwirtschaftlichen Investitionen
- Sonstige Kreditprogramme wie KfW/ERP-Exportfinanzierungsprogramm

Internet-Adressen: www.subventionen.de; www.kfw-mittelstandsbank.de; www.eib.org; www.bmwi.de
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