ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Kreuzfahrt/Norwegen: Hoch im Norden

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Kreuzfahrt/Norwegen: Hoch im Norden

Dtsch Arztebl 2006; 103(11): A-716 / B-610 / C-590

Hamberger, Rainer W.

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Das Hanseviertel in Bergen Fotos: Rainer W. Hamberger
Das Hanseviertel in Bergen Fotos: Rainer W. Hamberger
Kreuzfahrtimpressionen und Landausflüge in Westnorwegen

Viele Einheimische stehen am Kai. Sie winken und beobachten das Ablegen des Schiffes. Nachdem sich der elegante Schiffskörper gedreht hat, zieht er seine Bahn hinaus in den Sognefjord. Liegestühle kommen jetzt zum Einsatz, Ferngläser werden gezückt. „Habt ihr den Wasserfall da oben gesehen? Und dort draußen, wie der kleine Fischkutter gegen die Wellen stampft!“
Norwegens Urlandschaften ziehen vorbei. Felswände steigen senkrecht aus dem Fjord auf. Wasserfälle sprühen herab, als ob sie vom Himmel fielen, Buchten liegen wie Bleiplatten im Windschatten. Zwischendurch leuchtet ein rostrot gestrichenes Bauernhaus aus den dunkelgrünen Wiesen, geduckt unter einem zyklopenhaft wirkenden Felsengarten. Nun öffnet sich der fast 250 Kilometer lange Fjord etwas. Fast unmerklich biegen wir hinaus auf den Hauptarm. Im Norden glänzen die Eisfelder der Jostedals Bre, des größten Plateaugletschers von Festlandseuropa. Seidiges Abendlicht über dunkelblauem Wasser, gleichmäßig das Rauschen der Bugwellen. Möwengekreisch. Jetzt ist Fernweh Realität.
Morgen läuft das Schiff in den Hardangerfjord südöstlich von Bergen ein, den zweitgrößten Norwegens. Täglich werden Landausflüge angeboten, zu Museen, zu Folkloredarbietungen oder zu einer Fahrt mit alpinen Eisenbahnen, vom Hafen bis hinauf aufs Fjell. Das Schiff geht dabei vor Anker. Mit Beibooten setzt man an Land. Reiseleitung, Dolmetscher, Nachmittagskaffee, Fragestunde. Alles läuft nach deutscher Gründlichkeit ab.
Rastlose Rentierherden
Landausflug in Eidfjord. Ein Bus bringt uns ins Gebirge. Vom Parkplatz aus spazieren wir über die Hochebene. Weit kann es nicht mehr sein, man hört schon ein mächtiges Rauschen. Doch Felsbrocken versperren noch die Aussicht auf den gewaltigen Vöringsfoss, einen der größten Wasserfälle Norwegens. 182 Meter tief stürzt er zwischen Felsschluchten. Oftmals spiegelt sich in der Wasserstaubwolke ein farbenprächtiger Regenbogen. Ein Pfad führt vom Parkplatz des Hotels in Fossli zu einer Aussichtsplattform. Nur ein paar Kilometer weiter in nördlicher Richtung, und es wird wieder ruhiger. Vor uns breitet sich Nordeuropas riesiges Gebirgsplateau aus, der größte Nationalpark Norwegens: die Hardangervidda. Schranken am Straßenrand deuten darauf hin, dass während des Winters ein Freihalten der Verkehrswege nicht immer möglich ist. Im schrägen Abendlicht breitet sich ein sanfter Glanz über die Felsen. Aus den verstreut liegenden Hütten leuchtet es hell. Draußen grasen Rentiere, die letzte wild lebende Herde in Europa. Hin und wieder finden sie noch ein Blatt oder Isländisch Moos, eine karge, aber gehaltvolle Speise für die Hochlandbewohner. Ihre Wanderung währt ihr ganzes Leben, begleitet nur durch die Jahreszeiten bis zum Tod durch Schneesturm, Wölfe oder das Alter. Bei einem Besuch im Hardanger Naturcenter erfährt man mehr über diese Tiere, die auch heute noch im Norden Norwegens Lebensunterhalt für die dort ansässigen Samen sind. Mit 1 876 Metern ist der vergletscherte Hardangerjökulen die höchste Erhebung in diesem Nationalpark. Erst bei einer Reittour über das karge Land wird man sich der spröden Schönheit bewusst.
Laut tönt das Schiffshorn. Es kommt Leben in die Grüppchen auf dem Kai. Eine halbe Stunde später sticht unser Schiff in See. Die Fahr-
gäste werfen noch einen letzten Blick an den Kai, während der Kapitän mithilfe eines Lotsen den Kreuzfahrtdampfer aus dem Hafengebiet manövriert. Draußen im Fjord gewinnt das schwere Gefährt schnell an Fahrt. Während oben der Steuermann nochmals die Position korrigiert, den neuesten Wetterbericht studiert, wird im Speisesaal das abendliche Büffet aufgebaut. Es sind noch kleine Inseln erkennbar, dann sind es nur ein paar Felsbrocken, zuletzt die offene See, in der sich die letzten Sonnenstrahlen spiegeln. Ferngläser kommen zum Einsatz, Filme werden in den Kameras gewechselt und der Kreislauf beginnt wieder: Fantasie und Fernweh unter kreisenden Möwen.
Rainer W. Hamberger

Kreuzfahrt im Hardangerfjord
Kreuzfahrt im Hardangerfjord


Informationen: Angebote zu Rundreisen in den norwegischen Fjorden gibt es zum Beispiel beim Spezialisten Wolters Reisen, Telefon: 04 21/89 99-0, www.wolters-reisen.de; allgemeine Auskünfte erteilt das Norwegische Fremdenverkehrsamt, Postfach 11 33 17, 20433 Hamburg; Telefon: 0 40/ 2 29 41 50, Fax: 22 94 15 88, www.visitnorway.com.
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