ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2006Bruno Müller-Oerlinghausen 70: Evidenz und Empathie

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Bruno Müller-Oerlinghausen 70: Evidenz und Empathie

Baethge, Christopher

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Bruno Müller-Oerlinghausen Foto: privat
Bruno Müller-Oerlinghausen
Foto: privat
Der Berliner Pharmakologe Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, ist am 7. März 70 Jahre alt geworden.
Mit mehr als 500 Publikationen hat Müller-Oerlinghausen sowohl Beiträge zur Pharmakokinetik und zur Pharmakogenetik geleistet als auch in der klinischen Pharmakologie die Erforschung der Lithiumsalze und des serotonergen Systems vorangetrieben.
Ganz wesentlich seinen Forschungen ist etwa das Wissen um die antisuizidalen Wirkungen des in der Langzeitbehandlung affektiver Störungen eingesetzten Lithiums zu verdanken. Im Jahr 2004 wurde Müller-Oerlinghausen daher der Research Award der American Foundation for Suicide Prevention verliehen.
Müller-Oerlinghausens Erkenntnisse fußen auf den Daten, die er als langjähriger Leiter der Berliner Lithium-Katamnese erhoben hatte – einer Forschungsambulanz für Patienten mit affektiven Störungen an der Psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin, die Müller-Oerlinghausen 1975 auf eine Professur für Klinische Psychopharmakologie berufen hatte. Im gleichen Jahr trat er sein Amt als Herausgeber der Zeitschrift Pharmacopsychiatry an; eine Position, die er bis 2002 versah.
Müller-Oerlinghausen wurde in Berlin geboren und wuchs am Bodensee auf. Zum Medizinstudium hatte er sich durch eine persönliche Begegnung mit Karl Jaspers entschieden, der ihn auf die Vielfalt der Medizin hingewiesen hatte. Nach der Approbation forschte er zunächst am Institut für Pharmakologie der Georg-August-Universität Göttingen.
Im Anschluss an seine Habilitation ging er 1969 für zwei Jahre als Experte der Bundesrepublik Deutschland nach Thailand, um beim Aufbau eines pharmakologischen Labors zur Untersuchung der traditionellen thailändischen Medizin zu helfen. Diese Zeit, resümierte er in einem Interview mit der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, habe ihm gezeigt, wie wichtig es sei, „Sensibilität für die Probleme anderer Menschen mit rationalem Denken verbinden zu können“. Diese Verbindung fordert er auch in seinem Amt bei der Arznei­mittel­kommission: „prinzipiell nach den Kriterien der evidenzbasierten Therapie“ zu verfahren, aber dabei „adäquat auf den gegenüberstehenden Menschen in seiner Ganzheit zu reagieren“. bae
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