ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2006Risikostrukturausgleich: Blaupause Holland

POLITIK

Risikostrukturausgleich: Blaupause Holland

Blöß, Timo

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LNSLNS Die Niederlande haben das, was Deutschland will: den Morbi-Finanzausgleich.

Nicht nur bei den Einnahmen könnte das holländische Modell als Bauanleitung für eine Reform dienen. Auch bei der Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleiches (RSA) lohnt sich ein Blick ins Nachbarland.
Anders als hierzulande wird der Ausgleichsfonds in den Niederlanden nicht von den Kassen, sondern über einkommensabhängige Prämien der Versicherten an einen zentralen Fonds finanziert. „Dadurch gibt es keine Nettozahler- oder Nettoempfängerkassen“, sagt der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jürgen Wasem. Alle Krankenkassen bekommen Ausgleichszahlungen – „die einen mehr, die anderen weniger“. Um die Morbidität der Versicherten dabei mit einzubeziehen, werden die anfallenden Kosten für Krankenhausdiagnosen und Arzneimittelverordnungen der Versicherten berücksichtigt. „Im Vergleich mit dem für Deutschland gehandelten RSA-Modell ist die holländische Version gröber gestrickt und hat weniger Gruppen“, sagt Wasem. Während etwa bei der deutschen Variante 155 Klassen für Arzneimittel bei der Morbiditätsberechnung vorgesehen seien, existierten in Holland nur zwölf. Zwar würden bei mehr Gruppen die Ausgleichszahlungen gerechter ausfallen. Doch Kritiker verweisen darauf, dass das deutsche System dadurch auch manipulationsanfälliger werde. Dann nämlich könnte sich bereits der Umstieg auf ein anderes Medikament bei den RSA-Zahlungen für die Kassen rentieren. Das aber könnte die Kassen verleiten, etwa im Rahmen von Integrierten Versorgungsmodellen darauf zu drängen, „RSA-günstige“ Medikamente zu verordnen. In der Politik wird darum gefordert, die Berechnungsgrundlagen des RSA zu vereinfachen. Timo Blöß
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