ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2006Therapie-Leitlinien: Gefahren des Sponsorings
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LNSLNS Seit der Untersuchung von STELFOX und Mitarbeitern (New England Journal of Medicine 1998; 338: 101–6) ist bekannt, welchen „dosisabhängigen“ Einfluss das Sponsoring der Pharmaindustrie auf die Beurteilungsqualität von Therapeutika durch Experten, also auch durch Fachgesellschaften und Berufsverbände, hat. Dies beeinträchtigt zunehmend die Versorgungsqualität im Gesundheitswesen und hat somit hohe politische Brisanz. Bei den Untersuchungen über Korruption im Gesundheitswesen wurde die Arbeitsgruppe von Transparency Deutschland darauf hingewiesen, dass zunehmend Warenanbieter und Leistungserbringer Ärzten die Zertifizierung ihrer Praxis quasi als Kickback für Auftragserteilung anbieten. Falls dies zutrifft, wird das System des Qualitätsmanagements zum Marketinginstrument von Waren- und Leistungsanbietern degradiert. Bedenklich ist das Eindringen dieser Praktiken auch vor allem bei Fachgesellschaften, die bereits durch Nähe zu Interessen, Veranstaltungen und Werbungen von Warenanbietern auffallen. Wenn solche Fachgesellschaften dann auch nur Praxen zertifizieren, deren Verordnungsverhalten den Vorstellungen der Warenanbieter genügt, dann ist ein korruptives Netzwerk komplett, das die Therapie auf dem Niveau und der Qualität der Pharmawerbung festschreibt, auf Kosten der Behandlungsqualität der Patienten. Diesen Gefahren ist nur durch nachvollziehbare Offenlegung aller Interessenkonflikte auch bei Fachgesellschaften und Berufsverbänden zu entgegnen, und wenn das freiwillig nicht gelingt, dann mittels gesetzlicher Verpflichtung.
Prof. Dr. med. Peter S. Schönhöfer,
Redaktion arznei-telegramm,
Bergstraße 38 A, 12169 Berlin
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