ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2006Therapie-Leitlinien: Klar und deutlich
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Was macht einen „guten“ Arzt aus? – Albert Schweitzer ist für viele Ärzte ein Vorbild. Foto: dpa
Was macht einen „guten“ Arzt aus? – Albert Schweitzer ist für viele Ärzte ein Vorbild. Foto: dpa
Die Ausführungen von Dr. Wolfgang Weihe zeigen das Dilemma auf, in dem sich unsere Patienten mit MS und die sie beratenden Ärzte befinden: Es wird zunehmender Druck auf die Patienten ausgeübt, sich möglichst frühzeitig für eine sehr eingreifende und in ihren Langzeiteffekten ungeklärte Therapie zu entscheiden. Die jüngsten Erfahrungen mit Natalizumab sollten eine klare Warnung sein. Auch die Selbsthilfegruppen werden hier durch gezieltes direktes oder indirektes
Industrie-Sponsoring immer mehr beeinflusst, während gleichzeitig Schering trotz erheblicher Umsatz- und Gewinnsteigerungen Arbeitsplätze abbaut. Soll man wirklich immer gleich beim ersten Schub mit einer eingreifenden und nebenwirkungsreichen Therapie beginnen, auch wenn mehr als die Hälfte im Beobachtungszeitraum der Studie keine weiteren Schübe hat? Was bedeutet dies für unser Medikamentenbudget und die damit verbundene Regressgefahr? Die Relation zwischen Nutzen und Risiken für die Patienten wurde von Weihe endlich einmal klar aufgezeigt.
In unserer Praxis kann sich die Mehrzahl der MS-Patienten auch nach Jahrzehnten ohne immunmodulatorische Therapie ohne Hilfsmittel fortbewegen. Wir achten allerdings gerade zu Krankheitsbeginn besonders auf psychosoziale Belastungsfaktoren und versuchen hier, die Patienten zu stützen und zu entlasten. Natürlich warten wir dringend auf Kriterien, die uns frühzeitig eine präzisere prognostische Einschätzung und dementsprechend adaptierte Therapie erlauben. Bis dahin ist die engmaschige Beobachtung und Stützung der Patienten eine vernünftige Alternative zu medikamentösem Aktionismus und sollte mit dem Patienten unbedingt als vernünftige Option besprochen werden.
Literatur bei der Verfasserin
Prof. Dr. med. Erika Baum,
Dresdener Straße 34, 35444 Biebertal
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