ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2006Leitbilder: Individualmedizin statt Standards
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LNSLNS Die Autoren weisen mit Recht auf das Spannungsverhältnis zwischen Leitlinien und Leitbildern hin: Die ärztliche Tätigkeit lässt sich eben nicht komplett standardisieren. Krankheitsbezogene Leitlinien können für Anfänger und als Gedächtnisstütze sehr hilfreich sein. Aber ärztliche Maßnahmen sind nur dann wirkungsvoll, wenn sie sich dar-
über hinaus am individuellen Hilfebedarf des Patienten ausrichten; ihre Effizienz lässt sich steigern, wenn der Patient motiviert wird, seine eigenen salutogenen Ressourcen zu mobilisieren. Nachdem die Glaubwürdigkeit von Vor- und Leitbildern zunehmend bezweifelt wird, sollte der Arzt in komplexen Situationen versuchen, dem Bedarf des Hilfe suchenden Patienten auf anderen Wegen individuell zu entsprechen: Zunächst mehr Zeit für einfühlsames Zuhören und ein vertrauensvolles Gespräch, dann aber auch durch eine Diagnostik und Therapie in der menschlichen Dimension, die den Kranken ermutigt und sein Selbstvertrauen stärkt, indem der Arzt auf seine Lebenssituation eingeht, ggf. Zielsetzungen korrigiert und eine Neubewertung einleitet. Dem langjährigen Hausarzt bietet sich die Chance, einem chronisch Kranken im Verlauf der Langzeitversorgung durch aktive Einbeziehung eine Neuorientierung
zu vermitteln, die manch Resignierter dringend benötigt und wohl auch erwartet.
Prof. Dr. med. Eckart Sturm, Ziegelhofstraße 30, 26121 Oldenburg
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