ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2006Geschichte der Psychiatrie. Krankheitslehren – Irrwege – Behandlungsformen

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Geschichte der Psychiatrie. Krankheitslehren – Irrwege – Behandlungsformen

Schott, Heinz; Tölle, Rainer

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Psychiatriegeschichte: Brückenschlag
Heinz Schott, Rainer Tölle: Geschichte der Psychiatrie. Krankheitslehren – Irrwege – Behandlungsformen. Verlag C. H. Beck, München, 2006, 688 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 39,90 €
Die Autoren möchten eine Brücke von der medizinhistorischen Forschung zur klinischen Psychiatrie schlagen und so zu einem tieferen Psychiatrieverständnis aus den historischen Wurzeln heraus beitragen. Die Geschichte der Psychiatrie wird in flüssigem Stil – von dämonologischen Vorstufen über mittelalterliche Vorstellungen, Mesmerismus, „romantische“ Ansätze und die „Magna Charta“ Griesingers im 19. Jahrhundert bis hin zu modernen biologischen Theorien und Klassifikationssystemen der Gegenwart – dargestellt. Die dunklen Seiten der Psychiatrie im Nationalsozialismus werden ebenso berücksichtigt wie die zum Teil brutalen Therapiemethoden bis in das 19. Jahrhundert. Es werden verschiedene psychiatrische Schulen und die psychoanalytische Lehre Freuds in Grundzügen dargestellt.
Die Kapiteleinteilung berücksichtigt historische Voraussetzungen, Entwicklungen und Irrwege, Krankenversorgung, Krankheiten und Behandlung des Faches Psychiatrie, was zwangsläufig zu mancher Redundanz im Text führt. Es finden sich deutliche subjektive Wertungen sowohl der bisherigen psychiatriehistorischen Literatur als auch der einzelnen psychiatriehistorischen Strömungen mit einer deutlichen Hervorhebung der „Tübinger Schule“ (Gaupp, Kretschmer), was zu weiteren Diskussionen anregen wird. Auch finden die Autoren kritische Worte zu der heute dominierenden biologischen Psychiatrie und der aktuellen Diagnostik.
Gelungen ist das Schlusskapitel, das in Anlehnung an Ludwig Binswanger „Der kranke Mensch und die Psychiatrie“ genannt wurde. Hier werden wichtige ethische und anthropologische Aspekte der Wertschätzung von Subjektivität und Sympathie angesprochen, ohne die eine menschliche Begegnung mit Patienten nicht möglich ist. Ein umfassendes Personen-, Orts- und Sachregister erleichtert die Orientierung. Das ebenso umfangreiche Literaturverzeichnis berücksichtigt nicht die gesamte neuere psychiatriehistorische Literatur. Abbildungen hätten zur Auflockerung des Textes beitragen können.
Den Autoren ist jedoch ein wichtiges, Brücken schlagendes Werk gelungen, an dem sich die zukünftige deutschsprachige psychiatriehistorische Literatur als Bezugspunkt wird ausrichten müssen. Dirk Arenz
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