ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2006Medizinische Ästhetik. Kosmetik und plastische Chirurgie zwischen Antike und früher Neuzeit

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Medizinische Ästhetik. Kosmetik und plastische Chirurgie zwischen Antike und früher Neuzeit

Bondio, Mariacarla Gadebusch

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Medizingeschichte: Fachlich exakt
Mariacarla Gadebusch Bondio: Medizinische Ästhetik. Kosmetik und plastische Chirurgie zwischen Antike und früher Neuzeit. Wilhelm Fink Verlag, München, 2005, 238 Seiten, kartoniert, 34 €
Die Geschichte der medizinischen Ästhetik ist in verschiedener Hinsicht ein hoch aktuelles Forschungsgebiet, das sich nolens volens auch mit einem derzeit brennenden Thema der Medizin(ethik) auseinander setzt: Eingriffe am gesunden Körper im Sinne von Korrektur, Verschönerung oder genetischer Verbesserung. Die Autorin fokussiert in ihrer Habilitationsschrift dieses multidisziplinäre Thema auf die diesbezüglich kaum beachtete Epoche der frühen Neuzeit. Ihre Darstellung, die fachliche Exaktheit mit einem guten, teilweise essayistischen Stil verbindet, ist auch für Nicht-Medizinhistoriker sehr anregend.
Sie geht anhand einer Textanalyse unter anderem den Fragen nach, welche Abhängigkeit zwischen Schönheit, Gesundheit und körperlicher Kraft besteht und wie Heilkunde anhand der Kriterien von Natürlichkeit, Funktionalität und dem Ideal des „Mittelmaßes“ zwischen „guter“ – das heißt medizinisch sinnvoller – und „schlechter“ Kosmetik unterscheidet. Mit der Entwicklung der Plastischen Chirurgie wird eine praktische Konsequenz der frühneuzeitlichen Medizinästhetik verdeutlicht, die der Bologneser Chirurg Tagliacozzi zeittypisch als ein die Natur übersteigendes Wunder der Kunst inszenierte. Dabei erscheint erstmals auch eine Patientenperspektive der Kosmetik: So wurde bei der Rekonstruktion verstümmelter Nasen jenseits aller funktionellen Überlegungen und therapeutischen Risiken die „Wiederherstellung des Glücks“ in den Vordergrund gerückt. Daniel Schäfer
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