ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2006rund ums Geld: Fußball, Börse, Miniröcke

VARIA: Schlusspunkt

rund ums Geld: Fußball, Börse, Miniröcke

Dtsch Arztebl 2006; 103(12): [88]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Nicht wenige Börsianer schwören auf weise Sprüche, wie etwa „sell in May and go away“. Einige dieser Regeln mögen durchaus ihre Berechtigung haben, andere überleben sich nach meiner Erfahrung, kommen quasi aus der Mode. So war es in früheren Jahren durchaus so, dass die von der Haute Couture gesetzten Trends eine gewisse Korrelation zu Börsenverläufen aufzeigten, weiß der Teufel warum, aber in Minirockphasen stiegen die Kurse eher, während in einer Phase, in der Knielanges mehr en vogue war, die Notierungen tendenziell schwächelten. Es mag sein, dass die in den Rocklängen implizit enthaltenen Aufbruchsbotschaften oder Stimmungseintrübungen von den Lagerfelds, Chanels und Diors dieser Zeit doch ganz gut die wirtschaftlichen Zustände seismographisch abbildeten.
Solcherart seltsame Korrelationen lassen sich heutzutage auf einer anderen Ebene erneut feststellen. Es ist mal gerade ein Monat her, dass sich der Deutsche Aktienindex und der bundesrepublikanische Fußball in einer blendenden Verfassung befanden. Das Börsenbarometer schickte sich an, die Marke von 6 000 locker zu erklimmen, und auch bei den Kickern galt im Jahr der Fußballweltmeisterschaft jedwede Platzierung unter Rang eins oder zwei als eine nationale Schmach.
Denkste. Die frühen Tore gegen Italien und die atemberaubende Arbeitsverweigerung der deutschen Kicker in diesem Spiel leiteten einen eklatanten Stimmungswandel ein. Nun erinnern wir uns plötzlich der fünf Millionen Arbeitslosen wieder. Verblüffend ist eben auch, dass just in dieser unseligen Italien-Woche der DAX, trotz der optimistischen Prognosen so mancher Auguren, einknickte und seither Mühe hat, sich von der kolportierten Marke von 6 000 Punkten nicht nachhaltig zu entfernen, nach unten. Und plötzlich werden die Warnsignale wie ausgereizte Kurse, hohe Ölpreise, abnehmende Gewinnzuwächse wieder wahrgenommen. Dass jüngst sogar die Bundeskanzlerin meinte, dem deutschen Fußball auf die Beine helfen zu müssen, so schlecht sei er doch gar nicht, zeigt nur, wie sensibel Volkes Seele auf nationale Verletzlichkeiten anspringt. Dass sie nicht gesagt hat, der DAX sei doch auch nur ein Mensch, weil hinter allem menschliche Sehnsüchte und Erwartungen steckten, ehrt sie, ändert aber nichts an der Anfälligkeit des Börsenbarometers wie auch des deutschen Fußballs.


Leserservice: Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 1. April 2006 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wählen Sie bitte die 02 21/98 54 80-17. Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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