ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 1/2006CeBIT 2006: Konkurrierende Standards und Systeme

Supplement: PRAXiS

CeBIT 2006: Konkurrierende Standards und Systeme

Dtsch Arztebl 2006; 103(12): [3]

Krüger-Brand, Heike E.

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Rechtzeitig zur Fußballweltmeisterschaft: LCD-Fernseher mit Bildschirmdiagonalen von 94 und 80 cm (Firma Sharp) Foto: Sharp
Rechtzeitig zur Fußballweltmeisterschaft: LCD-Fernseher mit Bildschirmdiagonalen von 94 und 80 cm (Firma Sharp) Foto: Sharp
Ob bei der hochauflösenden DVD, beim Handy-TV oder bei der Konvergenz von Unterhaltungselektronik und Computer – welche Technologien sich durchsetzen werden, ist unklar.

Das Zusammenwachsen von Informationstechnologie und Unterhaltungselektronik macht große Fortschritte. Nicht nur wegen der Konkurrenz durch die Internationale Funkausstellung, die künftig jährlich in Berlin stattfinden soll, greift daher inzwischen auch die Computerfachmesse CeBIT die Unterhaltungselektronik als ein zentrales Thema auf. Unternehmen wie Microsoft und Intel wollen den PC als Steuerungszentrale für die Heimvernetzung von Computer, Videoplayer, TV, Handy und PDA ins Wohnzimmer bringen und auf diese Weise auch im „Consumer-Bereich“ Fuß fassen. Ein Beispiel hierfür ist die Windows XP Media Center Edition von Microsoft als Plattform für die digitale Unterhaltung. Intel hat die Multimedia-Plattform Viif („Weif“ gesprochen) entwickelt, die DVD-Rekorder,
Hifi-Anlage und Netzwerkfähigkeit verbindet. Die mit zwei Prozessoren ausgestatteten Rechner können verschiedene Inhalte aus dem Web gleichzeitig in mehrere Räume übertragen – beispielsweise Fotos auf den TV-Bildschirm, Musik ins Schlafzimmer.
Microsoft hat außerdem den Nachfolger des Betriebssystems Windows XP vorgestellt. „Windows Vista“ soll in der zweiten Jahreshälfte erhältlich sein und enthält Neuerungen wie 3-D-Effeke, Animationen, eine bessere Verwaltung der Nutzerrechte und eine erweiterte Betriebssicherheit durch Datenverschlüsselung und Firewall-Funktionen. In einer seitlich an der Benutzeroberfläche angebrachte Bildschirmleiste („Sidebar“) lassen sich Informationen wie Nachrichtenticker, eine Uhr oder ein Suchfenster anzeigen. Große Datenbestände, etwa die eigene Fotosammlung, können über eine integrierte Suchfunktion gezielt nach Stichworten durchstöbert werden.
Der Pocket Loox T830 von Fujitsu Siemens Computers umfasst unter anderem GSM/UMTS, E-Mail-Push und Messaging mit Windows Mobile 5.0, WLAN mit Voice-over-IPUnterstützung und GPS. Foto: ujitsu Siemens
Der Pocket Loox T830 von Fujitsu Siemens Computers umfasst unter anderem GSM/UMTS, E-Mail-Push und Messaging mit Windows Mobile 5.0, WLAN mit Voice-over-IPUnterstützung und GPS. Foto: ujitsu Siemens
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Zur Fußballweltmeisterschaft erwarten Experten den Durchbruch für das hochauflösende Fernsehen HDTV (High Definition Television), das im 16:9-Format mit 1 080 Zeilen ausgestrahlt wird und eine rund fünfmal so hohe Zeilenauflösung hat wie Fernsehbilder nach der zurzeit verwendeten PAL-Norm. Bis spätestens 2010 soll die Digitalisierung der TV- und Radionetze in Deutschland abgeschlossen sein. Mit HDTV sind mehr Details darstellbar, die Bildschärfe verbessert sich deutlich. Wer auf die neue Technologie umsteigen will, muss allerdings die Anschaffung weiterer neuer Geräte in Erwägung ziehen. Um die Vorteile des hoch aufgelösten Fernsehens tatsächlich zu nutzen, sind LCD-Flachbildschirme oder Plasmabildschirme erforderlich, die ein hohes Zeilenraster darstellen können. Außerdem werden neue Speichermedien zur Aufnahme der großen Datenvolumen von HD-Filmen und auch neue Wiedergabegeräte benötigt.
Wettbewerb um die
DVD-Nachfolge
Die ersten beschreibbaren Blu-Ray-Discs mit einer Speicherkapazität von 25 Gigabyte (GB) beziehungsweise 50 GB (Panasonic)
Die ersten beschreibbaren Blu-Ray-Discs mit einer Speicherkapazität von 25 Gigabyte (GB) beziehungsweise 50 GB (Panasonic)
Seit einiger Zeit herrscht bereits ein harter Kampf um die Nachfolge des DVD-Formats. Die Konsumenten haben die Wahl zwischen der Blu-Ray-Disk, die unter anderem von Elektronikherstellern wie Sony, Philips, Sharp und Panasonic propagiert wird, und der HD-DVD, die Toshiba, Microsoft und NEC am Markt durchsetzen wollen. Beide Standards sind nicht miteinander kompatibel, können aber alte CDs und DVDs lesen.
Experten halten Blu-Ray-Scheiben für die fortschrittlichere Technik, weil sie bis zu 50 Gigabyte speichern kann, wohingegen die HD-DVD nur 30 Gigabyte bewältigt (zum Vergleich: eine DVD fasst 4,7 Gigabyte). Erste Geräte nach den neuen Standards wurden auf der CeBIT unter anderem von Toshiba und Samsung vorgestellt, auch wenn in Deutschland beide Formate erst im Sommer starten sollen. Wegen der unklaren Marktsituation befürchten Experten allerdings eine starke Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten.
Multifunktional: Telefonieren, Surfen, Fotografieren und jetzt auch Fernsehen mit dem Handy Foto: Fraunhofer IIS
Multifunktional: Telefonieren, Surfen, Fotografieren und jetzt auch Fernsehen mit dem Handy Foto: Fraunhofer IIS
Wettbewerb gibt es auch beim mobilen Fernsehen für das Handy: Mit dem europäischen Standard DVB-H (Digital Video Broadcasting via Handheld) und dem DMB (Digital Multimedia Broadcast), der in Korea entwickelt wurde, stehen zwei konkurrierende Systeme bereit. DVB-H ermöglicht interaktive Zusatzdienste und kann bis zu 20 TV-Kanäle übertragen. DMB ist nur für zwei bis drei TV-Programme geeignet und stellt keinen Rückkanal zur Verfügung, belastet dafür aber den Handy-Akku erheblich weniger. Mehrere nördliche Bundesländer favorisieren DVB-H und wollen den Sendebetrieb bereits zur Fußballweltmeisterschaft aufnehmen. Bayern und Baden-Württemberg erproben demnächst DMB. Serienreife Endgeräte sind jedoch noch Mangelware. So rechnen die Mobilfunknetzbetreiber Vodafone und O2 erst Ende 2006 oder 2007 mit einem Start des mobilen Fernsehens. Immerhin kann Nokia mit dem N92 bereits ein Handy mit eingebautem DVB-H-Empfänger präsentieren. Fernsehsender und Inhalte-Anbieter arbeiten an „Mobisoaps“ und entwickeln interaktive Quiz-, Comedy- und Musik-Formate für Mini-Bildschirme.
Mehr als 45 Millionen Anwender in Europa, Südkorea und den USA haben inzwischen ihren Festnetzanschluss abgemeldet und telefonieren nur noch mit dem Handy. Sie können künftig auch die preiswerte Internet-Telefonie für das Handy nutzen. Integrierte Telefondienste ermöglichen es über intelligente Vermittlungstechniken, dass auf die Funkübertragung immer nur dann zurückgegriffen wird, wenn keine Verbindung über das Datennetz besteht. Bereits im Frühjahr sollen die ersten Mobiltelefone erhältlich sein, die für den klassischen Mobilfunk im GSM- oder UMTS-Modus und gleichzeitig für die Internet-Telefonie über Wireless-LAN-Netze ausgestattet sind. Als einer der ersten Hersteller hat Nokia drei Mobiltelefone vorgestellt, die Daten per WLAN,
UMTS und per Voice over IP (VoIP) übertragen können.
Die Deutsche Telekom und Arcor wollen außerdem im zweiten Quartal 2006 so genannte Dual-Mode-Handys anbieten, mit denen der Nutzer zu Hause über den DSL-Anschluss und unterwegs über das Mobilfunknetz telefonieren kann. Nach einer Studie des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens In-Stat sollen bis 2010 weltweit rund 66 Millionen Dual-Mode-Endgeräte im Einsatz sein.
Digitaler Lebensstil
Rucksack mit integriertem MP3-Player, der über die textile Tastatur imTrageriemen bedient wird; letzterer enthält auch ein Mikrofon. Foto: Interactive Wear AG
Rucksack mit integriertem MP3-Player, der über die textile Tastatur imTrageriemen bedient wird; letzterer enthält auch ein Mikrofon. Foto: Interactive Wear AG
Einen Vorgeschmack auf die Arbeits- und Lebenswelt von morgen vermittelte der Future Parc, zum Beispiel mit „smart wear“ und neuen Materialien. Zu sehen waren digitale Kollektionen unter anderem von Pierre Cardin, Cinque, Mephisto und Milestone, die Kleidungsstücke mit textilen Bedienungsfeldern für integrierte MP3-Player und andere Bluetooth-Module präsentierten. Produkte dieser Art sollen noch in diesem Jahr in Kaufhäusern erhältlich sein. Neue Abschirmgewebe gegen Handystrahlung („e-blocker“) sollen die elektromagnetische Direktstrahlung von Mobiltelefonen mit aus Silber ummantelten Garnen in Jackeninnentaschen unschädlich machen. Die Kleidung bleibt dabei waschbar und reinigungsbeständig. Beispiele sind Anzüge mit eingebautem Bluetooth-Headset, Rucksäcke mit Videosteuerung und Jacken mit GPS (Global Positioning System, satellitengestütztes Navigationssystem). Für zahlreiche Anwendungen – etwa im Sport, für Sicherheitsdienste oder im medizinischen Bereich – werden Lösungen für die verbesserte Personenortung entwickelt.
Gesundheit
Vor allem durch das Telematikprojekt „Gesundheitskarte“ (eGK) sind IT-Lösungen für den Gesundheitsbereich zum festen Bestandteil der Messe geworden. Unternehmen wie T-Systems, IBM, Siemens, Oracle und Giesecke & Devrient engagieren sich verstärkt im Gesundheitsmarkt und als technische Partner in den Testregionen. So präsentierte etwa die ICW AG ein funktionsfähiges eGK-System, das nicht nur die Pflichtanwendungen, wie elektronisches Rezept und Vertragsdatenmanagement, sondern auch die elektronische Gesundheitsakte als eine freiwillige Anwendung realisiert. Auch die Einbindung von DICOM-Bildern in die virtuelle Patientenakte ist möglich. Dennoch hat sich die IT-Industrie auf eine lange Einführungsphase der Karten eingestellt: „Wir gehen davon aus, dass im Laufe dieses Jahres die ersten 100 000 Patienten die Karte in den Testregionen in der Hand halten werden, vorausgesetzt die Tests sind erfolgreich. Die flächendeckende Einführung kommt wahrscheinlich 2007 oder 2008“, sagte Jörg Menno Harms, Vizepräsident des Branchenverbandes BITKOM, der die Schirmherrschaft über diesen Ausstellungsbereich übernommen hatte. Heike E. Krüger-Brand

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