ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2006Private-Equity-Fonds: Chancen mit Fragezeichen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Private-Equity-Fonds: Chancen mit Fragezeichen

Jobst, Peter

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LNSLNS Die Vermittler versprechen zweistellige Renditen bei überschaubaren Risiken.

Geschlossene Immobilienfonds, Versicherungsfonds, Filmbeteiligungen, Windkraftanlagen – Steuersparanlagen gibt es viele. Immer öfter zeigt sich jedoch, dass die Konzepte nicht aufgehen; sei es, weil Erträge ausbleiben, sei es, weil die Finanzbehörden die steuerliche Konstruktion nicht anerkennen. Doch die Finanzbranche hat einen „Geheimtipp“: Private-Equity-Fonds versprechen zweistellige Renditen bei überschaubaren Risiken.
Unter Private Equity versteht man alle Formen der Unternehmensbeteiligung, die nicht an der Börse notiert werden. Meist handelt es sich dabei um Anteile an kleineren, mittelständischen Unternehmen, die einerseits noch den Börsengang scheuen, andererseits zum weiteren Wachstum einen Kapitalbedarf haben, der sich nicht über Bankkredite finanzieren lässt. Als Unterkategorie von Private Equity gilt das „Venture Capital“: Wagniskapital, das in erster Linie von Unternehmen gesucht wird, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden.
Das Verlockende für die Unternehmen, die sich auf diesem Weg „Partner ins Boot holen“, ist neben dem Know-how der Beteiligungsgesellschaften das große Maß an Freiheit, das ihnen trotz Fremdfinanzierung geboten wird.
„Heuschrecken“-Debatte
Private-Equity-Anbieter verlangen weder Sicherheiten noch liquiditätsbelastende Zinsen. Ihre angestrebte Rendite soll einzig durch die Steigerung des Unternehmenswertes erreicht werden. Private-Equity-Gesellschaften engagieren sich daher stets auch nur temporär in einem Unternehmen. Ist das Ziel erreicht, erfolgt der Verkauf an andere Kapitalgeber oder – im günstigsten Fall – der Börsengang.
Private-Equity-Anbieter sind darauf spezialisierte Finanzdienstleister, die sich durch die Emission entsprechender Fonds refinanzieren. Allerdings setzen sie dabei noch kaum auf das Kapital von Kleinanlegern: Bisher sehen die meisten Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds Mindestanlagen von einer bis fünf Millionen Euro vor, sodass sich vorrangig
institutionelle Investoren engagieren. Nachdem jedoch auch hier nach der Aktienbaisse Vorsicht eingekehrt ist, werden zunehmend Fonds für private Anleger aufgelegt, angeboten in Stückelungen zwischen 5 000 und 20 000 Euro. Darüber hinaus kommen Dachfonds auf den Markt, die sich in mehreren Einzelfonds engagieren und dem Anleger oftmals bereits einen Einstieg ab wenigen Tausend Euro ermöglichen. Allerdings handelt es sich auch hier meist um geschlossene Fonds, das heißt, die Anteile können nicht jederzeit gekauft und auch wieder verkauft werden. Der Vorteil der Dachfonds ist jedoch: Im Portefeuille befinden sich Beteiligungen an 100 bis 200 Unternehmen, sodass das Anlagerisiko sinkt.
Auch die Namensliste erfolgreicher Private-Equity-Finanzierungen kann sich sehen lassen – selbst wenn die „Heuschrecken“-Debatte zu einer Verunsicherung geführt hat. Zu den Paradebeispielen zählt etwa der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf. Vor sechs Jahren wurde die ehemalige Siemens-Sparte vom US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und der Investmentbank Goldman Sachs gekauft. Das Unternehmen wurde „börsenreif“ gemacht und – mit erheblichem Gewinn für die
Initiatoren – im Jahr 2004 an der Börse eingeführt. Profitiert haben aber auch die Anleger, die auf das Know-how von KKR gesetzt hatten, denn die Aktie befindet sich seit dem Börsendebüt in einem deutlichen Aufwärtstrend. Dass es nicht immer so gut laufen muss, hat die Autowerkstattkette Autoteile Unger bewiesen. Zunächst sollte sie an die Börse gebracht werden, mangels Nachfrage befindet sie sich heute ebenfalls in KKR-Besitz. Dem Unternehmen hat es nicht geschadet, konnte die Zahl der Filialen doch von 390 auf mehr als 500 ausgebaut werden. Weitere erfolgreiche Private-Equity-Projekte sind der Triebwerkhersteller MTU und die einst zur Kirch-Gruppe gehörenden Fernsehsender Premiere und ProSiebenSat1: Zumindest die Beteiligungsgesellschaften konnten oft gut verdienen.
Gemeinsam ist allen Private-Equity-Fonds die hohe Renditeerwartung. Nach Musterrechnungen der Emittenten brachten die meisten Fonds in den vergangenen Jahren zwischen zehn und 20 Prozent Jahresrendite, im Erfolgsjahr 1999 waren sogar bis zu 100 Prozent möglich. Ein weiterer Vorteil liegt in der steuerlichen Behandlung. Zumindest bisher gehen die Finanzbehörden davon aus, dass die Einkünfte aus gewerblichen Fonds dem Halbeinkünfteverfahren unterliegen, also lediglich zur Hälfte steuerpflichtig sind. Handelt es sich gar um einen vermögensverwaltenden Fonds, bleiben die Erträge nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist sogar steuerfrei.
Renditestark, aber riskant
Gemeinsam sind den Fonds aber auch die hohen Risiken und die geringe Transparenz. Die Rendite ist ausschließlich vom Erfolg des oder der Unternehmen abhängig, an denen sich der Fonds beteiligt. Zwar sind in der Regel erfahrene Experten am Werk, die jeden Kauf und jede Beteiligung sorgfältig prüfen. Eine Insolvenz führt jedoch zwangsläufig zu Kapitalverlusten. Zu bedenken ist auch, dass die chancenreichsten Beteiligungen selten privaten Kleinanlegern, sondern eher den institutionellen Investoren angeboten werden, weil sie deutlich größere Summen investieren. Zu berücksichtigen sind darüber hinaus die Kosten, die gerade bei Dachfonds schnell zweistellige Prozentsätze erreichen können.
Ein Beteiligungsfonds kann mithin eine interessante Abrundung eines gut sortierten Wertpapierdepots darstellen. Allerdings sollten der Anbieter und die Zielgesellschaften sehr genau unter die Lupe genommen werden, denn in kaum einem anderen Finanzierungssegment sind die Risiken so groß wie im Private-Equity-Bereich. Auch sollte das in diesem Bereich investierte Kapital in einem angemessenen Verhältnis zum Gesamtvermögen stehen. Skepsis ist bei den Renditeprognosen angebracht: Da die Wertentwicklung der Anteile allein vom Erfolg beziehungsweise Misserfolg des Beteiligungsportefeuilles abhängt, kann der tatsächliche Ertrag erst nach Abschluss der Investition exakt ermittelt werden. Vorher bekannt gegebene Zahlen sind nichts anderes als Erwartungen, deren Treffsicherheit erst unter Beweis gestellt werden muss. Peter Jobst
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Grafik: Rendite-Kick und Steuertrick

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