ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Schering und Bayer: Neues Spiel, neues Glück

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Schering und Bayer: Neues Spiel, neues Glück

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Die Chance, den Krebs schneller und effektiver zu bekämpfen, steigt angeblich durch den Zusammenschluss von Schering und Bayer. In diesem Sinne äußerte sich jedenfalls der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Werner Wenning, gegenüber der Welt am Sonntag. Das macht sich gut in der Öffentlichkeit. Zumindest steigt die positive Stimmung für die Übernahme der Berliner durch Bayer, Leverkusen.
Tatsächlich sind Bayer und Schering in der Krebsforschung tätig, zumeist in Kooperation mit anderen. Entscheidender für den Zusammenschluss ist, dass Schering 5,3 Milliarden Euro Umsatz mitbringt, solide erwirtschaftet aus den Schering-Klassikern „Pille“ und Betaferon. Zusammen mit den vier Milliarden der Pharma-Divison von Bayer macht das gut neun Milliarden Euro. Im Geschäft mit innovativen Arzneimitteln rückt Bayer (mit Schering) damit wieder in die Weltspitze vor. Das Desaster, das Lipobay in der Bayermannschaft und der Bayerbilanz angerichtet hatte, wäre damit endgültig überwunden.
Für Schering wäre die Übernahme, falls sie gelingt, weniger erfreulich. Der Konzern, der sich durch unternehmerisches Geschick bisher allein behaupten konnte, verliert die Selbstständigkeit. Darüber täuscht auch nicht das Versprechen hinweg, den vereinigten Pharmasektor in Berlin zu stationieren. Die unternehmerischen Entscheidungen fallen in Leverkusen. Dort verbleibt auch das restliche Arbeitsfeld Health Care mit gut fünf Milliarden Euro Umsatz. Damit dürfte ein Tauziehen um Zuständigkeiten programmiert sein.
Zur Finanzierung der mit 16,3 Milliarden Euro ziemlich teuren Übernahme dürfte es bei der künftigen Bayer-Schering Gesellschaft zur Neuordnung des Kerngeschäftes kommen – Randaktivitäten werden abgestoßen. Bayer hält sich gegenüber Schering bisher weise zurück. Im Zusammenhang mit der Übernahmeofferte von Merck war schon einmal spekuliert worden, dass das lukrative Schering-Geschäft mit Kontrastmitteln verkauft werden könne. Als Preis wurden fünf bis sechs Milliarden Euro genannt, Interesse wird bei Siemens vermutet.
Sicher ist der übliche Synergieeffekt: 6 000 Arbeitsplätze fallen weg. Ob Bayer und Schering gleichmäßig betroffen sind, bleibt ungewiss, bis das Geschäft über die Bühne ist. Norbert Jachertz
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