ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Klinische Forschung: Einfluss der Industrie nimmt deutlich zu

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Klinische Forschung: Einfluss der Industrie nimmt deutlich zu

Dtsch Arztebl 2006; 103(13): A-817 / B-697 / C-673

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die meisten klinischen Studien werden weiterhin an Universitäten und größeren Kliniken durchgeführt, doch Initiative und Forschungsgelder kommen immer häufiger von der Industrie. Im britischen Ärzteblatt (BMJ 2006; doi:10.1136/bmj.38768.420139.80) befürchtet eine Gruppe von Wissenschaftlern, dass den akademischen Zentren immer mehr die Kontrolle über die Forschung entgleitet und sie zum reinen Dienstleister der Industrie verkommen. Das BMJ hat im Jahr 2003 zusammen mit 40 Partnern aus akademischen Zentren die „International Campaign to Revitalise Academic Medicine“ gegründet. Ihr Ziel ist es, die klinische Forschung an den Universitäten zu stärken. Es ist allerdings nicht so, dass heute weniger klinische Studien als in der Vergangenheit durchgeführt werden. Die Gruppe um den Epidemiologen John Ioannidis (Universität Ioannina in Griechenland) hat die 289 meistzitierten klinischen Studien der Jahre zwischen 1994 und 2003 analysiert. Zum überwiegenden Teil kamen die Autoren von Universität (76 Prozent) oder Kliniken (57 Prozent). Noch immer werden die meisten einflussreichen klinischen Studien (60 Prozent) durch öffentliche Gelder finanziert.

Der Anteil der Industrie lag über den gesamten Zeitraum bei 36 Prozent. Er ist aber in den letzten Jahren deutlich – um 17 Prozent pro Jahr – gestiegen. Das Jahr 2001 markierte jedoch einen Wendepunkt. Damals kamen erstmals mehr Fördergelder aus der Industrie. Vor allem „Top-Studien“ sind heute Industriestudien: 65 von 77 randomisierten kontrollierten Studien während des gesamten Zeitraums und 18 der 32 am häufigsten zitierten Studien nach 1999 wurden durch die Industrie allein gesponsert. Hier beträgt der Anstieg des Industrieanteils 59 Prozent pro Jahr.

Den Grund für den Niedergang sehen die Autoren im Rückzug der öffentlichen Hand – vor allem in den USA. Dort wurde das Budget für das Jahr 2006 nur um 0,7 Prozent erhöht, während ein Anstieg um sechs Prozent notwendig gewesen wäre, um den Status quo in der klinischen Forschung aufrechtzuerhalten. Die USA sind noch immer weltweit führend in der klinischen Forschung: Von den 289 meistzitierten klinischen Studien zwischen 1994 und 2003 wurden 145 – also etwa die Hälfte – allein an US-Kliniken durchgeführt. Rüdiger Meyer
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