ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Allgemeine und Innere Medizin: Warten auf das letzte Wort

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Allgemeine und Innere Medizin: Warten auf das letzte Wort

Korzilius, Heike

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Zeichnung: Ralf Brunner
Zeichnung: Ralf Brunner
Fünf Ärztekammern haben sich bei der Novellierung ihrer Weiter­bildungs­ordnungen dafür entschieden, den Allgemeininternisten beizubehalten – entgegen den Rahmenvorgaben.

Zwar ist öffentlich Ruhe eingekehrt, doch die Diskussionen hinter den Kulissen über die Verschmelzung der Fächer Innere und Allgemeinmedizin im Rahmen der Weiterbildungsreform wollen nicht verstummen. Die latente Unzufriedenheit mit dem so genannten Rostocker Beschluss von 2002 spiegelt sich auch in der bundesweit uneinheitlichen Umsetzung der Weiterbildungsnovelle wider. Damals hatte der 105. Deutsche Ärztetag beschlossen, dass künftig ein in fünf Jahren weitergebildeter Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin die hausärztliche Versorgung übernimmt. Gegen den Widerstand vor allem des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) wurde der Allgemeininternist abgeschafft und damit, so die Hoffnung der Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), die leidige Konkurrenz zwischen Allgemeinärzten und hausärztlich tätigen Internisten beendet.
Inzwischen, vier Jahre später, haben 15 der 17 Lan­des­ärz­te­kam­mern die neue (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung umgesetzt. Sie alle haben das Gebiet „Innere und Allgemeinmedizin“ in ihre Weiterbildungsstruktur übernommen. Allerdings haben fünf Ärztekammern – Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen – darüber hinaus den Facharzt für „Allgemeine Innere Medizin“ in ihrer Novelle verankert.
Keine Grundsatzdiskussion
„Eine solche Kleinstaaterei schreit nach Änderung“, gibt BDI-Präsident Dr. med. Wolfgang Wesiack zu bedenken. Der Verband hatte von Anfang an gewarnt, die Abschaffung des „Generalisten“ gefährde die Einheit der Inneren Medizin und führe zu einer Zersplitterung des Faches in seine Schwerpunkte. Ein Alternativmodell, das neben dem Allgemeinarzt und dem Schwerpunktinternisten den Allgemeininternisten für die Krankenhausversorgung vorsieht, wäre für den BDI nach wie vor denkbar. Will der Internist ohne Schwerpunkt sich doch irgendwann als Hausarzt niederlassen, müsste er die entsprechenden allgemeinmedizinischen Weiterbildungsinhalte erwerben. Auf diese Weise ließe sich nach Ansicht des Berufsverbandes auch das Problem kleinerer Krankenhäuser lösen, die künftig ohne Allgemeininternisten dastehen, aber nicht alle internistischen Schwerpunkte vorhalten können.
Eine erneute politische Grundsatzdiskussion beim Deutschen Ärztetag im Mai in Magdeburg strebt der BDI jedoch nicht an. „Wir verfolgen zurzeit das Motto ,live and learn‘“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. med. Malte Ludwig. „Wir wollen zunächst einmal beobachten, wie sich das System entwickelt.“ Das Problem müsse im Gespräch mit allen Beteiligten gelöst werden.
Auch der BÄK ist daran gelegen, dass in dem zuweilen hoch emotional ausgetragenen Streit um den „besseren Hausarzt“ Ruhe einkehrt. „Derzeit können alle mit der gefundenen Lösung leben“, heißt es dort. Man habe deshalb die politische Diskussion erst einmal ausgesetzt. Die BÄK sei jedoch bei Bedarf jederzeit zu Gesprächen bereit. Auch ihr ist an einer bundesweit einheitlichen Lösung im Konsens mit allen Beteiligten gelegen.
Ähnlich äußert sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes. Rainer Kötzle betont gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, dass es den Hausärzten um eine einvernehmliche Lösung des Problems geht. „Die Sonderregelungen der fünf Lan­des­ärz­te­kam­mern sind nicht befriedigend. Wir halten am einheitlichen Hausarzt fest“, sagt Kötzle. Von weiteren politischen Grundsatzdiskussionen hält aber auch er wenig. Seit Rostock gebe es eine einheitliche Beschlusslage. Diese könne nicht immer wieder grundsätzlich infrage gestellt werden. „Wir können uns auf Dauer keine verschiedenen Hausärzte erlauben“, so der BDA-Vorsitzende. Das stelle letztlich auch den Föderalismus in Sachen ärztlicher Weiterbildung infrage.
Nicht zuletzt die Länderbehörden, die die Weiter­bildungs­ordnungen der Ärztekammern in Landesrecht umsetzen müssen, dürften auf eine bundeseinheitliche Bildungsordnung dringen. Jetzt ist also erst einmal die Arbeitsebene an der Reihe. Auf die politische Bühne Deutscher Ärztetage dürfte das Thema Allgemeine und Innere Medizin dann im nächsten oder übernächsten Jahr zurückkehren. Heike Korzilius
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