ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Aufbruchstimmung: „Ärzteblatt-Wortwechsel“ zur klinischen Krebsforschung findet Nachhall auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin

MEDIZINREPORT

Aufbruchstimmung: „Ärzteblatt-Wortwechsel“ zur klinischen Krebsforschung findet Nachhall auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin

Dtsch Arztebl 2006; 103(13): A-832 / B-711 / C-687

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 420 000 Menschen neu an Krebs. Ihre Überlebenschancen haben sich in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert, doch noch werden onkologische Patienten unterschiedlich behandelt. „Es kann nicht sein, dass eine Frau mit Brustkrebs in Norddeutschland anders behandelt wird als in Süddeutschland“, betonte Prof. Dr. med. Otmar Wiestler (Heidelberg), Vorsitzender des Beirats der Deutschen Krebshilfe. Dem tritt die Organisation nun mit einem Programm zur Förderung onkologischer Spitzenzentren entgegen. Nach dem Vorbild der US-amerikanischen „Comprehensive Cancer Centers“ sollen fünf solcher Zentren über zunächst drei Jahre mit insgesamt einer Million Euro je Zentrum und Jahr gefördert werden. „So wollen wir einheitliche Strukturen, Prozesse und Qualitätsstandards schaffen, die für die Versorgung von Tumorpatienten zwingend notwendig sind“, sagte Wiestler in Berlin.
Damit Krebspatienten auch nach dem stationären Aufenthalt optimal weiterbehandelt und versorgt werden, fordert die Deutsche Krebshilfe eine enge Interaktion zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten. „Im onkologischen Vertragsarztbereich gibt es ein bewährtes System der Qualitätssicherung“, berichtete Priv.-Doz. Dr. Stephan Schmitz (Köln), Vorsitzender des Berufsverbandes der niedergelassenen Hämatologen und internistischen Onkologen in Deutschland. „Die klinischen Spitzenzentren sollen sich daher mit den niedergelassenen Ärzten der Region, aber auch mit den übrigen Krankenhäusern vernetzen.“ So werde sichergestellt, dass Krebskranke ohne Reibungs- oder Informationsverlust aus dem klinischen Versorgungsbereich in die ambulante Betreuung gehen.
Ohne Forschung ist jedoch langfristig kein Fortschritt in der Krebsmedizin möglich. „Diese Forschungsarbeiten erfordern sehr viel Geduld, innovative Ideen und Ausdauer. Zudem brauchen sie einen gesicherten finanziellen Rückhalt über einen längeren Zeitraum“, sagte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Prof. Dr. Dagmar Schipanski. „Auf Initiative der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen Ärzteblattes haben Experten vor zwei Wochen in Berlin die Lage der klinischen Krebsforschung analysiert. Das Ergebnis war eindeutig: Wissenschaftler benötigen günstigere Arbeitsbedingungen und weniger Bürokratie“, konstatierte Schipanski. Zudem müssten Konzepte und Schwerpunktprogramme der verschiedenen Förderinstitutionen in Deutschland vernetzt werden. Die zur Verfügung stehenden Gelder für die Krebsforschung sollten zielführend und abgestimmt eingesetzt werden. Dies sei nur durch eine bessere Kommunikation und mehr Transparenz in der wissenschaftlichen Community möglich.
Die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung als fördernde Organisationen hatten anlässlich der Diskussionsrunde „Ärzteblatt-Wortwechsel“ beschlossen, künftig enger zusammenzuarbeiten, um Synergien zu schaffen und die klinische Krebsforschung konzentiert voranzubringen. Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin war zu hören, dass die ersten konstruktiven Gespräche stattgefunden haben. zyl

Die Ausschreibung für das Förderprogramm der Deutschen Krebshilfe zur Etablierung onkologischer Spitzenzentren erfolgt am 28. April im Deutschen Ärzteblatt. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September. Als Termin für den Beginn der Förderung von maximal fünf Zentren ist der 1. Januar 2007 geplant.

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