ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Bereitschaft: Erst doppelbelastet, dann berufsunfähig
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LNSLNS So wie es Dr. Thomas Böhmeke beschrieben hat, habe ich in der Chirurgie gearbeitet, bis ich bei meiner dritten Schwangerschaft in Mutterschutz ging. Denn ich hatte den für eine Ärztin nicht zu vertretenden Wunsch, meine Kräfte zwischen meinen Aufgaben als Chirurgin und denen als Mutter und Ehefrau aufzuteilen. 32 Stunden am Stück in einer Universitätsklinik – Haushalt – Kinder – Ehemann (wobei dieser sicher am kürzesten kam), dann acht Erziehungsjahre von zwei chronisch kranken und zwei gesunden Kindern, dann als allein erziehende und allein ernährende Mutter von vier Kindern (die Ehe war über den Belastungen zu Bruch gegangen), sechs Jahre Ärztin im Jugendärztlichen Dienst eines Gesundheitsamtes, dann sechs Jahre an einer Sozialpädiatrie, Schäden an der eigenen Gesundheit mit Schwerbehinderung, mit 56 Jahren berufsunfähig durch nervliche Erschöpfung. Ein Einzelschicksal? Wie viele Ärztinnen halten die Doppelbelastung dieses Berufes mit Kindern und Haushalt aus, wenn die Ehe verständlicherweise unter diesen Bedingungen zerbricht? Nun: Unser familienfreundlicher Staat versagt mir die Anerkennung für die Erziehungszeit meiner vier Kinder, da ich – wie viele Kolleginnen – die gesetzliche Rentenversicherung zugunsten der Ärzteversorgung aufgegeben habe. Ärztinnenmütter in der BfA sind alleine anerkennenswert. Wir haben ja im Grundgesetz den Gleichheitsgrundsatz. Weniger Beitragsjahre durch Erziehungszeiten und vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben durch Überforderung – was ist mit der Gleichheit zwischen Mann und Frau?
Ursula Marsch-Mattenklott,
Am Meerberg 24, 38124 Braunschweig
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