ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Psychoonkologie: Kein Vertrauen
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LNSLNS Bevor „Psychoonkologen“ triviale allgemeinmenschliche Zuwendungen zu Schwerkranken und Sterbenden als Psychotherapie verkaufen, sollten sie wohl besser erstmal innehalten und sich nach der eigenen „Unfähigkeit zu trauern“ (Mitscherlich) fragen: Waren sie es doch, die Krebskranken jahrelang eine aus der Luft gegriffene „Krebspersönlichkeit“ angedichtet haben und sie damit noch zusätzlich belasteten. Die Verantwortung dafür mit den lapidaren Worten „Längst überholt ist die Idee von der Krebspersönlichkeit, die an Krebs erkrankte Menschen vor allem als aggressionsgehemmte und emotional unbefriedigte Persönlichkeiten beschrieb“ abzutun, zeigt genau jene Verdrängungsneigung, die Psychosomatiker so gerne ihren Patienten und Kollegen unterstellen – keine Trauerarbeit über eigene Fehler und über angerichtete Schäden, kein Schuldgefühl, geschweige denn Schuldeingeständnis kommt da zum Ausdruck. Weshalb sollte sich die Kollegenschaft also ausgerechnet von Psychoonkologen etwas über „unbewusste Abwehr“ erzählen lassen?
Dr. med. Wolfgang E. Reuber, Sollinger Straße 24, 83317 Teisendorf
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