ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Schlankheitskur: Wandel im ärztlichen Selbstverständnis
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mit großem Interesse habe ich den Bericht über die Zusammenarbeit von Unternehmensberatung und der Abteilung für Herzchirurgie der Freiburger Universitätsklinik gelesen. Bei zunehmender Öko­nomi­sierung in allen Gesellschaftsbereichen ist ein Wandel im ärztlichen Selbstverständnis nicht mehr aufzuhalten, und bisher weit verbreitete Beratungsresistenz wird weder den Patienten noch uns selbst langfristig einen Vorteil verschaffen. Insofern habe ich mich über dieses, zumindest kurzfristig erfolgreiche Pilotprojekt in Freiburg gefreut. Neben der ethischen Frage nach einer Verdinglichung des Patienten zur „Ware“ sind aber zwei Punkte zu bedenken:
1. Die Auswahl einer chirurgischen Abteilung hat die Anwendung von ursprünglich in der Automobilindustrie entwickelten Methoden vereinfacht. In den nichtoperativen Fächern ist die Variabilität
um ein Vielfaches höher. Der psychiatrisch erkrankte Patient fordert ein weitaus höheres Maß an Flexibilität als der standardisierte chirurgische Eingriff (damit will ich die Leistungen meiner chirurgischen Kollegen nicht schmälern, sondern auf eine andere Gewichtung hinweisen). Es stellt sich daher die Frage, wie es mit der Übertragbarkeit der Erfahrungen aus Freiburg auf andere Fachgebiete bestellt ist.
2. Die Erfahrungen aus anderen Branchen haben gezeigt, dass die eigentliche Kunst nicht darin besteht, Veränderungen in Unternehmen herbeizuführen, sondern diese auch langfristig zu etablieren. Die Mentalität der Mitarbeiter muss sich entsprechend der neuen Konzepte ändern. Ob dies in Freiburg stattgefunden hat und bei einer üblicherweise hohen Fluktuation der Mitarbeiter überhaupt zu erreichen ist, bleibt abzuwarten. Garantierte Anstellungen bis zum Erreichen der Facharztreife wären hier sicherlich ein probates Mittel.
Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger, Jahnstraße 24, 80469 München
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige