ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Chefärzte: Krankes Krankenhaussystem

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Chefärzte: Krankes Krankenhaussystem

Dtsch Arztebl 2006; 103(13): A-849 / B-721 / C-697

Kaum, Heinz-Josef

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LNSLNS Kranke Menschen erwarten von einem Chefarzt einer Klinik nicht, dass er zukünftig 70 bis 80 Prozent seiner Tätigkeit am Schreibtisch, bei Sitzungen und am PC verbringt. Und damit hat der normale, mit gesundem Menschenverstand denkende Patient und Mensch Recht. Warum sollte ein Chefarzt Chefarzt sein? Er/Sie sollte es dann werden, wenn man sich nach dem Studium in den darauf folgenden 15 bis 20 Jahren als Assistenzarzt sowie Oberarzt und dann meist in leitender Oberarztposition so
viele menschliche und fachliche Fähigkeiten im Umgang und zur Therapie von kranken Menschen/Patienten erworben hat, damit man dann anschlie-
ßend für die letzten und nächsten 20 Jahre bis zur Pensionszeit diese emotionalen und praktischen Fähigkeiten als Chefarzt/-ärztin für den Patienten nutzbringend anwenden kann: d. h. im Operationssaal, auf der Intensivstation, in den Untersuchungszimmern, am Krankenbett, in der Endoskopie usw. — und eben nicht 70 bis 80 Prozent seiner Tätigkeit bürokratisch und verwaltend verbringt! Zurzeit verbringe ich 50 Prozent meiner Tätigkeit mit dem, was in dem Artikel mit „Neuen Qualitäten“ gemeint und beschrieben ist. Das Verhältnis muss anders sein:
70 bis 80 Prozent medizinische Tätigkeit für den Patienten und 20 bis 30 Prozent „Neue Qualitäten“. Wenn dies von den Ärzten selbst, den Krankenhausträgern, den Krankenkassen, den politisch Verantwortlichen nicht registriert wird (für die Patienten ist es sicherlich kein Problem, diese meine Argumentation als richtig zu erkennen, und sie würden daran verzweifeln, dass man über ein anderes Verhältnis überhaupt nachdenken kann), dann wird es mit dem deutschen Krankenhaussystem in den nächsten 20 Jahren weiter berg-
ab gehen . . .
Dr. med. Heinz-Josef Kaum, Chefarzt der Frauenklinik und Geburtshilfe,
HELIOS Klinikum Schwelm,
Dr.-Moeller-Straße 15, 58332 Schwelm
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