ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Biomechanik. Form und Funktion des Bewegungsapparates

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Biomechanik. Form und Funktion des Bewegungsapparates

Dtsch Arztebl 2006; 103(13): A-850

Kummer, Benno

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Biomechanik: „. . . ist gar nicht so schwer“
Benno Kummer: Biomechanik. Form und Funktion des Bewegungsapparates. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2005, XV, 604 Seiten, 744 Abbildungen, 3 Tabellen, gebunden, 149 €
In der technischen Durchführung operativer Eingriffe hat die Orthopädie erhebliche Fortschritte gemacht. Für die Planung der Eingriffe ist der Arzt jedoch nach wie vor auf die Kenntnis der morphologischen Veränderungen, die zur Notwendigkeit des Eingriffs führten, angewiesen. Um das Ergebnis des Eingriffs abschätzen zu können, müssen die mechanischen Veränderungen in Zusammenhang mit der Reaktion der Gewebe auf die veränderte morphologische Situation vorhersehbar sein.
Die intensive Beschäftigung mit der Biomechanik wird häufig „aus dem Bauch“ heraus abgelehnt, weil sie zu mathematisch und zu kompliziert erscheint. Hier liegt eine der Stärken des Buches: Kummer holt den Leser ganz am Anfang ab: Er beschreibt zunächst die wenigen physikalischen Gesetze, deren Kenntnis notwendig ist, und erklärt den Umgang damit. Dann schildert er die biologischen Objekte, auf die die Gesetze der Mechanik angewendet werden sollen, auf die Muskeln, auf die Gelenke und auf die sich darauf aufbauenden Gliederketten.
Das Buch gliedert sich in einen einleitenden allgemeinen Teil, in dem die allgemeinen Grundlagen und Prinzipien der Biomechanik verständlich dargelegt werden, und einen speziellen Teil. Verständlich ist der erste Teil schon deshalb, weil vorwiegend die für die Behandlung des Patienten wesentlichen statischen Gesichtspunkte in den Vordergrund gerückt wer-
den und nicht die wegen ihrer deutlich komplexeren Mathematik gefürchteten kinetischen, die in vielen sportbiomechanischen Werken im Vordergrund stehen. Kummer ist Morphologe und Mediziner, deshalb bleibt er stets am Objekt und versteigt sich nicht, wie viele Ingenieure, in für den Mediziner nicht nachvollziehbare und auch objektfremde Theorie.
Der spezielle Teil des Buches ist der Biomechanik des Rumpfes, der Extremitäten und des Kauapparates gewidmet. Er ist in die vier Abschnitte untere Extremität, obere Extremität, Rumpf und Kauapparat untergliedert. Die Einteilung innerhalb der Abschnitte erfolgt nach einem gleich bleibenden Schema und ist deshalb übersichtlich, da für jedes besprochene Gebiet zunächst die Morphologie geschildert wird, dann wird auf die Entwicklung eingegangen.
Ein Werk wie dieses hat seit langem gefehlt. Es ist umfangreich illustriert, sowohl mit Fotos von makroskopischen und mikroskopischen Originalpräparaten als auch mit schematischen Darstellungen und, was mir besonders wichtig erscheint, mit hervorragend erklärten und erklärenden Darstellungen der grafischen Statik. Das Layout mit Marginalen erleichtert die Orientierung im Buch. Wer das spannende Werk aufmerksam liest und manchmal auch zurückblättert, wird finden, was versprochen wurde: „Biomechanik ist gar nicht so schwer.“ Und sie macht Spaß und ist in der Praxis anwendbar.
Walter Oberländer
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