ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Medizingeschichte(n): Neonatologie – Credé’sche Prophylaxe

MEDIZIN

Medizingeschichte(n): Neonatologie – Credé’sche Prophylaxe

Schott, H.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zitat: „Im October 1879 machte ich den ersten Versuch mit prophylaktischen Einträufelungen in die Augen der Neugeborenen gleich nach der Geburt und bediente mich einer Lösung von Borax (1 : 60), weil ich dieses Mittel für das mildeste, wenigst ätzende hielt. Es geschah dies aber zunächst nur bei Kindern von kranken Müttern, bei denen die oben angeführten Ausspülungen [1] gemacht worden waren. Auch diese Methode führte nicht zum gewünschten Ziel, und ich nahm im December 1879 statt des Borax Lösungen von Argentum nitricum (1 : 40) [2], welche bald nach der Geburt eingespritzt wurden. [...]
Vom Juni 1880 an wurden nun die Augen ohne Ausnahme gleich nach der Geburt desinficirt und zwar in der Weise, dass eine schwächere Lösung von Argentum nitricum (1 : 50) gewählt, auch die Flüssigkeit nicht mehr eingespritzt, sondern nur mittels eines Glasstabes in jedes durch einen Gehülfen sanft geöffnete, vorher mit gewöhnlichem Wasser gereinigte Auge ein einziger Tropfen Flüssigkeit eingeträufelt wurde. Dann wurden die Augen 24 Stunden lang mit Salicylwasser (2 : 100) getränkten Leinwandläppchen gekühlt. Die zahlreichen Vaginaldouchen [3] wurden dagegen gänzlich aufgegeben und kamen nur aus anderen Gründen, die ganz unabhängig von den Genitalkatarrhen waren, zur Anwendung. Sämmtliche so behandelten Kinder sind von Augenentzündungen selbst leichtesten Grades verschont geblieben [...]. Das Verfahren ist demnach sehr einfach, überall von einigermassen geschickten Händen leicht auszuführen, ganz gefahrlos und, wie es scheint, zuverlässig in der Wirkung.“

Carl Sigmund Franz Credé: Die Verhütung der Augenentzündung der Neugeborenen. In: Archiv für Gynäkologie 18 (1881), Seite 367. – Credé (1819–1892) habilitierte 1850 als Geburtshelfer in Berlin und war von 1856 bis 1887 Ordinarius für Geburtshilfe und Gynäkologie in Leipzig. 1879 führte er die Prophylaxe der gonorrhoischen Neugeborenen-Blennorrhö (Eiterabsonderung der Augenbindehaut) durch Einträufelung einer Silbernitratlösung nach der Geburt ein. (Im selben Jahr hatte Albert Neisser den Gonokokkus entdeckt.) – [1] Desinfizierende Vaginalspülungen. [2] Silbernitrat. [3] Vaginalspülungen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema