ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Medizingeschichte(n): Kosmetikratgeber – „Jungfernmilch“

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Medizingeschichte(n): Kosmetikratgeber – „Jungfernmilch“

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Lac Virginis, oder ein Jungfer-Milch. Nehmet das Kraut Hauswurtzel [1] / stosset es in einem Marmolsteinern Mörsel / und preßt den Safft davon aus / diesen Safft seihet durch / und lasset ihn ein klein wenig warm werden / welches hilfft/ daß er fein klahr wird; Und / wenn ihr ihn gebrauen wolt / so müsset ihr ihn in ein Glaß thun / und etliche Tropffen von einem guten Spiritius vini [2] darein schütten / so wird alsbald wie eine geronnene Milch aus besagtem Safft werden / welche sehr fürtreflich ist / das Gesicht glatt zu machen / und die Röthe desselben zu vertreiben.“

Christoph Hellwig: Neu-entdeckte Heimligkeiten des Frauenzimmers (Erstauflage 1714). 2. Auflage Frankfurt; Leipzig: Niedtens 1715, Seite 75. Zitiert nach Sabine Sander: Die dreißig Schönheiten der Frau – Ärztliche Ratgeber der Frühen Neuzeit. In: Medizin, Geschichte und Geschlecht. Körperhistorische Rekonstruktionen von Identitäten und Differenzen. Herausgegeben von Frank Stahnisch und Florian Steger. Stuttgart: Steiner 2005, Seite 55. – Hellwig (1663–1721) ließ sich um 1688 in Weissenfels als praktischer Arzt nieder, war ab 1696 Stadtphysikus in Tennstädt, ging 1712 nach Erfurt. – [1] Die „Jungfernmilch“ mit dem typisch milchigen Aussehen wurde nach verschiedenen Rezepten hergestellt. Der glättende und bleichende Effekt auf die Gesichtshaut ist möglicherwiese pharmazeutisch auf das in der Pflanze enthaltene Rutin zurückzuführen. [2] Hauswurz: Sempervivum, vielgebrauchtes traditionelles Haus- und Kosmetikmittel. [3] Weingeist: alchemische Erfindung des 12. Jahrhunderts (Destillation), bald in die Pharmazie eingeführt; der Begriff „Alkohol“ wurde erst später, unter anderem von Paracelsus, verwandt.

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