ArchivDeutsches Ärzteblatt7/1997Arzneimittelausgaben: Keine Dauerlösung

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Arzneimittelausgaben: Keine Dauerlösung

Dtsch Arztebl 1997; 94(7): A-333 / B-267 / C-252

Maus, Josef

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LNSLNS Die, die es "immer schon gewußt haben", mögen jetzt sagen: "Na bitte, es geht doch!" Tatsächlich haben die Kassenärzte im November und Dezember vergangenen Jahres bei den Arzneimittelverordnungen kräftig auf die Bremse getreten. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) lagen die Ausgaben in diesen beiden Monaten in den alten Bundesländern um 4 Prozent und in den neuen Ländern gar um 17 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das "Vorläufige Notprogramm" der KBV zur Verhinderung existenzbedrohender Regresse hat Wirkung gezeigt. Nachdem im Spätherbst eine Überschreitung des Arznei- und Heilmittelbudgets 1996 von rund 4,8 Milliarden DM prognostiziert worden war, dürfte sich dieser Betrag inzwischen auf etwa drei Milliarden DM reduziert haben. Der Verordnungsrückgang im November und Dezember entspricht in etwa 1,8 Milliarden DM.
Geht es also doch? Das kann nur behaupten, wer lediglich die nackten Zahlen vor Augen hat, die Begleitumstände der Krisenintervention indessen vergißt. So spricht Dr. Winfried Schorre von einem "uns aufgezwungenen Sparkurs", der Patienten und Ärzten sehr weh getan habe. Viele durchaus ärztlich empfehlenswerte Arzneimittel (und auch Massagen) wären nur deshalb nicht mehr verordnet worden, "weil sie durch das Raster der zwingenden medizinischen Notwendigkeit gefallen sind". In diesem Zusammenhang von Wirtschaftlichkeitsreserven zu reden, hält der KBV-Vorsitzende für unverantwortlich. Es sei vielmehr so, daß eine "harte Budgetierung zwangsläufig zu einer Rationierung von Gesundheitsleistungen" führe. Schorre weiter: "Die Ereignisse der letzten Wochen haben die Grenzen kollektiver Budgets schonungslos offengelegt."
Sie haben freilich noch etwas gezeigt: Sowohl die Krankenkassen als auch die Kassenärztlichen Vereinigungen waren plötzlich in der Lage, Vereinbarungen zu Arzneimittelbudgets zu treffen. Vereinbarungen zudem, die in bislang allen Fällen die unmittelbare Regreßgefahr für die Kassenärzte bannen. Dennoch: Eine dauerhafte Lösung ist keineswegs erreicht. Es kann nicht sein, daß Jahr für Jahr Notprogramme aufgelegt werden müssen. Daher auch die Forderung der KBV: Das Budget muß weg! Statt dessen sollen nach Schorres Willen arztbezogene Richtgrößen her. Wie man hört, steht die Politik dieser Forderung aufgeschlossen gegenüber. Wissen werden wir es, wenn das 2. GKV-Neuordnungsgesetz in seiner endgültigen Form vorgelegt wird. Josef Maus
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