ArchivDeutsches Ärzteblatt7/1997Drogenpolitik: Schritt ins Abseits

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Drogenpolitik: Schritt ins Abseits

Dtsch Arztebl 1997; 94(7): A-333 / B-267 / C-252

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LNSLNS Politiker aus SPD und FDP plädieren dafür, Heroin unter ärztlicher Kontrolle abzugeben. Man will die Beschaffungskriminalität eindämmen und der Drogenmafia Paroli bieten. Das ist sicher gut gemeint. Ob die brave Absicht in der Realität nicht pervertiert wird, ist offen. Wir tippen darauf, daß die Drogenbosse sich ins Fäustchen lachen, wenn Vater Staat als Abnehmer auftritt. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Dr. Karsten Vilmar, hat anläßlich einer einschlägigen Initiative des Bundesrates an den ärztlichen Standpunkt erinnert, und der setzt nach wie vor auf Therapie und Rehabilitation (Näheres dazu unter "Nachrichten" in diesem Heft).
Die politische Begründung in Sachen Heroin erinnert an die Einführung der Methadon-Programme. Auch sie wurden, das haben inzwischen selbst viele Ärzte verdrängt, in erster Linie kriminalpolitisch und nicht medizinisch begründet. Inzwischen ist die Methadon-Abgabe allgemein anerkannt, jedenfalls regt sich öffentlich kein Widerspruch mehr. Der vermeintlich bequeme Weg hat dazu geführt, daß sich der Staat kaum noch für den Ausbau teurer Therapieplätze gewinnen läßt. Die Folge: Es gibt viel zu wenige Therapiemöglichkeiten. Die weitere Folge: Der Staat sucht erneut nach einem bequemen Ausweg, siehe oben, die Heroinabgabe durch Ärzte. Und wieder ist von wissenschaftlich begleiteten Modellversuchen, von streng kontrollierter Abgabe die Rede. Die Worte erinnern fatal an die Begründung der Methadon-Programme. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen: Auch Heroin-Abgabe könnte zur Routine werden, Heroin damit praktisch gesellschaftlich rehabilitiert werden und die Zahl der Fixer eher zunehmen als zurückgehen.
Was wird dann der nächste Schritt sein? Norbert Jachertz
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