ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Kunst & Psyche: „Es ist schrecklich, ich zu sein“

VARIA: Feuilleton

Kunst & Psyche: „Es ist schrecklich, ich zu sein“

Dtsch Arztebl 2006; 103(13): A-873 / B-746 / C-722

Grabarkiewicz, Justyna

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LNSLNS Bei diesem Gipskopf handelt es sich um die Selbstdarstellung der 16-jährigen Jutta. Diagnostiziert wurde bei ihr eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, atypische Anorexie und depressive Episode. Zur Anfertigung des Kopfes wurden zunächst Abdrücke des Gesichts und des Hinterkopfes durch Anlegen von Gipsmasken erstellt, diese mittels Gipsbinden verbunden und der so entstandene Hohlkörper schließlich mit Gips ausgegossen.
Die im Kopf steckenden Nägel stellen nach Aussage von Jutta die starke Belastung dar, die sie durch ihre eigenen Gedanken verspürt. Die Patientin leidet unter starken Selbstzweifeln und mangelndem Selbstwert, Hoffnungslosigkeit und immer wieder auftretender Suizidalität. Sie findet es schrecklich, bisweilen unerträglich, einfach sie selbst zu sein („Ich finde mich scheiße.“). Sie vergleicht sich immer und überall mit anderen und empfindet sich dabei schlechter als ihre Mitmenschen. Hoffnung, jemals gesund zu werden, habe sie nicht. Gesund zu werden hieße nämlich, Normalgewicht zu halten und zusammen mit anderen zu leben – dies sei für sie unvorstellbar. Die blauen Tränen drücken die Enttäuschung über diesen Zustand und die Perspektivlosigkeit aus. Jutta empfinde ihr Dasein als „Fassade“, sie gibt sich so, wie es andere von ihr erwarten würden. Die blaue Farbe soll an verlaufene Schminke erinnern, die das erlebte Bröckeln der versuchsweise aufgestellten Fassaden verdeutlichen soll. Justyna Grabarkiewicz
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