ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006Citroën C6: Zurück in die Zukunft

VARIA: Auto und Verkehr

Citroën C6: Zurück in die Zukunft

Werner, Helmut

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Fotos: Citroën
Fotos: Citroën
Citroën versucht nach langen Jahren der Abstinenz in der automobilen Oberklasse mit dem C6 an alte Zeiten anzuknüpfen.

Raffiniert, komfortabel, lang, breit und flach – der Citroën C6 weckt Erinnerungen an die legendäre Staatskarosse DS (Déesse = Göttin), die in den 50er- und 60er-Jahren die französischen Staatspräsidenten von A nach B brachte. Nachdem sich der Autobauer aus unserem Nachbarland in den vergangenen Jahren auf die Herstellung von Klein- und Mittelklassewagen konzentrierte und dort beachtliche Marktanteile (2,17 Prozent weltweit 2005/3,2 Prozent bei Privatkunden) gewann, kommt jetzt (endlich) nach mehr als fünf Jahren der Nachfolger des XM (und der legitime Nachfolger der DS), der Mercedes (E-Klasse), BMW (5er) und Audi (A6) Paroli bieten will.
Viel Komfort, weniger Sport
Der Neue besticht nicht unbedingt durch zeitlose Eleganz. Der vordere Überhang wirkt etwas lang, das Stummelheck zu kurz – und doch gefällt sein modernes Design mit hohem Wiedererkennungswert. Zwei Motorvarianten werden angeboten:
ein 3,0-Liter-V6-Benziner mit 155 kW/211 PS und ein 2,7-Liter-V6-Biturbo-Diesel mit 150 kW/204 PS, Höchstgeschwindigkeit jeweils 230 km/h. Von null auf 100 km/h benötigt der Benziner 10, der Diesel 9,3 Sekunden. Der Verbrauch wird mit 11,2 Liter Super bleifrei beziehungsweise 8,7 Liter Diesel angegeben. Das Kofferraumvolumen ist mit 421 Litern (411 Litern bei Einzelsitzen im Fond) für eine Limousine dieser Größe nur durchschnittlich. Beide Antriebe sind nur mit Sechsgang-Automatik zu haben. Dies ist französisch konsequent, da es sich um eine Reiselimousine handelt, die die sportliche der komfortablen Ausrichtung unterordnet. Im Komfort zeigt sich dann auch die wahre Stärke des Franzosen. Der lange Radstand (2,90 Meter) der Limousine schluckt (fast) alle Fahrbahnunebenheiten, der C6 schwebt ähnlich wie die „göttliche“ DS 21 der Fünfzigerjahre über den Asphalt; die hydropneumatische Federung (auch schon in der DS aktiv) und die gut konturierten Sitze tragen zu entspanntem Fahren auf langen Strecken bei. Wer eine dynamischere Fahrweise bevorzugt, kann die Dämpfer härter einstellen und das Fahrwerk absenken. Ein automatisch verstellbarer Spoiler (ab Tempo 100) soll die Aerodynamik verbessern.
Citroën bietet seinen Frischling in drei Ausstattungsvarianten an – C6, Pallas und Exclusive. ESP und neun Airbags (unter anderem Knieairbag) sind bereits in der Basisversion vorhanden. Die Materialien und ihre Verarbeitung im Innenraum machen einen hochwertigen Eindruck, die Bedienung der vielen kleinen Tasten auf der Mittelkonsole ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Der Fondpassagier kann in der Exclusiveversion den Beifahrersitz elektrisch nach vorne verstellen und seinen Einzelsitz zur Liege umfunktionieren (optional, 1 300 Euro, ein mittiger 5. Platz im Fond ist vorhanden).
Wider den Sekundenschlaf
Ein technisches Glanzlicht ist der Spurhalteassistent, der per Infrarot-Linienerkennung jenseits der 80 km/h beim Überfahren der Mittellinie, ohne zu blinken, den Fahrer durch Rütteln im Sitz warnt und so dem „Sekundenschlaf“ entgegenwirkt. Ein höhenverstellbares Head-up-Display (Serie ab Version Pallas) liefert Informationen auf die Windschutzscheibe, mitlenkende Bi-Xenon-Scheinwerfer sorgen für bessere Sicht, eine elektronische Parkbremse vereinfacht die Bedienung. Ein besserer Fußgängerschutz soll erreicht werden durch eine aktive Motorhaube, die sich bei einem Aufprall anhebt und so einen Teil der Aufprallenergie absorbiert.
Très chic: Viel Platz und hochwertig verarbeitete Materialien im Innenraum
Très chic: Viel Platz und hochwertig verarbeitete Materialien im Innenraum
Das gute Zusammenspiel von Motor und Automatikgetriebe, geringe Fahrgeräusche (dank Verbundglas auch bei den Seitenscheiben) und das große und komfortable Platzangebot im Verbund mit technischer französischer Raffinesse beeindruckten bei ersten Testfahrten. Auf dem französischen Markt wird der Neuling gute Chancen haben, sich durchzusetzen. Der einzige nationale Konkurrent ist dort der Peugeot 407.
Anders sieht es in Deutschland aus. Die hier angestrebte Zielmarke von 6 000 verkauften Einheiten für 2007 scheint bei der starken deutschen Konkurrenz etwas zu optimistisch. Aber vielleicht führen ja die nachlassende Qualität bei deutschen Premiummarken und das Transportieren nostalgischer Erinnerungen von Vätern auf Söhne und Töchter zu verändertem Kaufverhalten.
Ab April/Mai soll der Franzose als Vorführwagen bei den Händlern stehen. Die Preise des C6 beginnen bei 42 500 Euro für den Benziner (Diesel 45 500 Euro), in der Pallasversion kostet er 45 500 Euro (Diesel 48 500 Euro). Wer sich den automobilen Luxus französischer Staatspräsidenten (Exclusiveversion) gönnen möchte, ist mit 51 900 Euro (Diesel 54 900 Euro) dabei. Helmut Werner
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