ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2006zu Finanzinnovationen: DB1 OST

VARIA: Schlusspunkt

zu Finanzinnovationen: DB1 OST

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wer bei diesem Kürzel an eine Variante des Vogelgrippevirus denkt, geht in seiner Annahme zwar fehl, aber mit Eiern hat die Chose durchaus zu tun. Die Bank, deren Leistung bekanntlich aus purer Leidenschaft besteht, hat sich nämlich mit einer ihrer neuesten Finanzinnovationen einen kecken Marketing-Gag geleistet, „DB1OST“ ist doch tatsächlich die Wertpapierkennnummer (WKN) der diesjährigen „Oster-Anleihe“ der Deutschen Bank.
Das zumindest der WKN und dem Namen nach famose Papier kann bis zum 11. April bei allen Banken und Sparkassen gezeichnet werden, auf dass rechtzeitig zum Fest jedwedes Osternest mal mit was anderem bestückt sei als nur mit bunt bemalten Eiern und allerlei Leckereien. Die Werbebotschaft der Deutschbanker verheißt dem Zeichner der Oster-Anleihe nur Gutes, nach eigener Aussage würde bei diesem vierjährigen Papier nicht nur der Osterhase die Ohren spitzen, wirklich, das steht in der Zeitungsanzeige, und der Anleger legte sich damit eine „attraktive Renditechance ins Nest“.
Die Highlights der Oster-Anleihe fasst die Deutsche Bank so zusammen:

- Chance auf einen hohen Kupon
- Jährliche Kuponausschüttung
- 100 Prozent Kapitalerhalt zum Laufzeitende
- Kein Währungsrisiko
- Keine Managementgebühren.

So viel Vollblumigkeit erregt dann doch schnell mein Misstrauen. Die Chance auf einen hohen Kupon heißt ja nur, es kann sein, dass, mehr aber auch nicht. Die jährliche Zinszahlung ist eh eine Selbstverständlichkeit, wie auch der Kapitalerhalt am Laufzeitende. Dass mit dieser Oster-Anleihe kein Währungsrisiko verbunden ist, na gut, aber warum „keine Managementgebühren“ bei einer Anlage wie dieser besonders herausgestellt werden muss, mag möglicherweise mit der Ahnungslosigkeit von Werbeleuten zu tun haben, denn bei einer Anleihe damit zu werben, dass Gebühren nicht anfallen, die normalerweise eh nicht anfallen, finde ich schon ein wenig seltsam.
Es könnte sich bei der Entscheidung, ob ich zeichne oder nicht, also durchaus lohnen, die „Chance auf einen hohen Kupon“ im Kleingedruckten etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. So richtig groß sind diese Chancen nämlich meines Erachtens nicht, da ein höherer Zinssatz nur dann bezahlt wird, wenn sich die Kurse der Aktien, die in einem dazugehörigen Korb sind, „passend“ entwickeln. Tun sie das nicht, wird lediglich ein Zins von 1,7 Prozent in dem jeweiligen Jahr bezahlt. Das ist mickrig genug.
Den zweiten Schrecken bekomme ich dann dadurch, dass ein Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent anfällt. Im schlechten Fall ist dann für das erste Jahr die Zinszahlung schon fast verfrühstückt. Fröhlich machende Ostereier sehen anders aus.
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