ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Septische Granulomatose: Deutschen Forschern gelingt Gentherapie

AKTUELL: Akut

Septische Granulomatose: Deutschen Forschern gelingt Gentherapie

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Einem Team von Ärzten und Naturwissenschaftlern ist es in Frankfurt/ Main weltweit zum ersten Mal gelungen, zwei erwachsene Patienten, die an der seltenen Immunerkrankung septische Granulomatose (CGD) leiden, erfolgreich mittels Gentherapie zu behandeln. Die Studie wurde in Kooperation mit Schweizer Forschern durchgeführt (Nature Medicine doi: 10.1038/ nm1393). Menschen mit septischer Granulomatose leiden unter schweren Infektionen, die zu vital gefährdenden Organschäden führen. Ursache ist ein genetisch bedingter Mangel des Enzymkomplexes NADPH-Oxidase, sodass die Phagozyten die in den Körper eingedrungenen Bakterien und Pilze nicht mehr beseitigen können. Eine Heilung der Immunerkrankung, an der bundesweit schätzungsweise 100 Menschen leiden, war bislang lediglich durch Stammzelltransplantation möglich. Für die beiden inzwischen 25 und 26 Jahre alten Männer standen jedoch keine Spender zur Verfügung. Als Alternative kam die Gentherapie infrage.

Zunächst wurden den Patienten hämatopoetische Stammzellen aus dem Blut entnommen. In diese Zellen schleuste man mithilfe von apathogenen, inaktivierten Maus-Retroviren
eine intakte Kopie des gp91-Gens von Gesunden ein, das die NADPH-Bildung ermöglichen soll. Unterdessen wurden die Patienten chemotherapeutisch behandelt. Nach Rückübertragung der genetisch modifizierten Zellen stieg der Anteil der funktionsfähigen Phagozyten im Blut beider Patienten auf etwa 15 bis 35 Prozent an. Als Folge sind innerhalb von 50 Tagen therapieresistente Infektionsherde teilweise oder vollständig zurückgegangen. Nach etwa 150 Tagen nahm die Anzahl der genetisch korrigierten Zellen bei beiden Patienten noch einmal zu. Molekularbiologische Untersuchungen zeigten, dass dies auf den Einfluss von drei Genen zurückzuführen ist, die durch den Einbau der viralen Genfähre unerwartet aktiviert wurden und das Zellwachstum stimulierten.

Aufgrund des karzinogenen Potenzials dieser Aktivierung wurden in Frankfurt keine weiteren Patienten behandelt. Bis heute – mehr als 16 Monate nach Therapiebeginn – hat sich dieser stimulierende Effekt bei den Behandelten jedoch nicht negativ ausgewirkt. Die Zahl der genmodifizierten Zellen hat sogar ein stabiles Plateau erreicht. Derzeit arbeitet man am Frankfurter Georg-Speyer-Haus daran, Genfähren mit verbesserten Sicherheitseigenschaften zu entwickeln. zyl
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