ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Diabetes mellitus: „Mit einer Stimme sprechen“

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Diabetes mellitus: „Mit einer Stimme sprechen“

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Nationales Aktionsforum ist handlungsfähig.

Jetzt hat das Schiff Fahrt aufgenommen“, sagte ein Teilnehmer der ersten Vollversammlung des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (NAFDM) am 15. März in Berlin. In der Tat sorgen bei dem im Oktober 2004 gegründeten Forum mittlerweile eine Steuerungs- und eine Koordinierungseinheit sowie Arbeitsgruppen für die Bereiche Prävention, Versorgung und Forschung für eine klare Organisationsstruktur. Ziel der neuen Plattform ist es, die Kräfte in der Diabetologie zu bündeln und die Situation der Diabetiker in Deutschland sowie die von gefährdeten Bevölkerungsgruppen möglichst flächendeckend durch ein nationales Programm zu verbessern.
„Die Diabetologie ist auf dem Weg, mit einer Stimme zu sprechen und ein abgestimmtes Mehrjahresprogramm umzusetzen“, betonte Prof. Dr. med. Eberhard Standl, Präsident der Deutschen Diabetes-Union e.V. (DDU). Dabei richtet das NAFDM den Fokus auf das Jahr 2010. „Wenn bis dahin nichts geschieht, müssen wir bundesweit mit einer Zahl von zehn Millionen Diabetikern und jährlichen Kosten von 40 Milliarden Euro für die Kran­ken­ver­siche­rungen rechnen“, betonte Standl. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Diabetes mellitus und seine Komplikationen zu vermindern, sei deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Finanziell unterstützt wird die mittlerweile wichtigste Gemeinschaftsinitiative im Bereich des Diabetes mellitus vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG), das seine Förderung mit der Perspektive auf 2010 erneut bestätigte. „Die vielfältigen Initiativen, Programme und Konzepte staatlicher und nicht-staatlicher Stellen müssen gebündelt werden, um ein gemeinsames, koordiniertes und zielorientiertes Handeln aller Akteure zu erreichen“, bekräftigte Marion Caspers-Merk, Parlamentarische Staatssekretärin im BMG, auf der ersten Vollversammlung. Neben dem BMG gehören der politischen Steuerungseinheit des Aktionsforums Vertreter weiterer Ministerien, die Bundes­ärzte­kammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Spitzenverbände der Krankenkassen sowie der Gemeinsame Bundes­aus­schuss an. Fachlich koordiniert wird NAFDM von der DDU, der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), dem Deutschen Diabetiker Bund, dem Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher, dem Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland sowie der Welt­gesund­heits­organi­sation.
Als nächste Ziele der Diabetes-Plattform nannte Prof. Dr. med. Rüdiger Landgraf, NAFDM-Projektgruppenkoordinator, die Erstellung, Aktualisierung und Implementierung evidenzbasierter Diabetes-Leitlinien auf der Basis der Leitlinien der DDG sowie die Etablierung eines zentralen Managements.

- Prävention: Ziel der Arbeitsgruppe Prävention ist es, noch in diesem Jahr (voraussichtlich bis Mai 2006) einen Präventionsleitfaden für Ärzte, Diabetesberater und Ernährungsfachkräfte zu erstellen sowie eine Datenbank über laufende Präventionsprojekte einzurichten.

- Versorgung: Im Mittelpunkt stehen hier die Erarbeitung der evidenzbasierten Diabetes-Leitlinien sowie Modellprojekte zur Verbesserung der pädiatrischen Versorgungsqualität und der Versorgung von Patienten mit koronarer Herzkrankheit und bislang unentdeckter Glucosestoffwechselstörung sowie Lifestyle-Management-Programme.

- Forschung: Auf den Weg gebracht ist bereits die erste Nationale Diabetes-Studie zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2. Experten fordern ferner eine bessere Vernetzung der experimentellen und klinischen Forschung, ein vermehrtes Engagement der Medizinischen Fakultäten, des Bun­des­for­schungs­minis­teriums und der Pharmaindustrie im Bereich der Diabetesforschung sowie einen Ausbau der Versorgungsforschung, die derzeit unterentwickelt ist. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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