ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Hepatologie: Suche nach Zell-Ersatz

MEDIZINREPORT

Hepatologie: Suche nach Zell-Ersatz

Vetter, Christine

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LNSLNS Hepatologen setzen auf die Stammzellforschung als Alternative zur Transplantation.
Die Leberzirrhose ist die Endstrekke verschiedener chronischer Lebererkrankungen; ohne Lebertransplantation kann den Patienten in aller Regel nicht geholfen werden. Spenderorgane aber sind Mangelware, und auch die Lebendspende ist nur selten eine Lösung. Vor diesem Hintergrund setzen die Hepatologen forciert darauf, durch Hepatozytentransplantation und per Stammzelltherapie neue, möglichst kurative Therapieoptionen zu eröffnen.
Dass sich die Forscher bei der Zelltherapie der Leber besonders gute Chancen ausrechnen, hat nach Aussage von Prof. Dr. med. Rolf Gebhardt einen einfachen Grund: Die Leber besitzt eine ungewöhnlich hohe Regenerationskraft, doch ist bei chronischen Lebererkrankungen das Verhältnis zwischen Zellabbau und Zellregeneration verschoben. Durch die Implantation von vergleichsweise wenigen funktionsfähigen Hepatozyten solle die Organregeneration und damit die Selbstheilungskraft des Organismus stimuliert werden, erläuterte Gebhardt beim Falk Research-Workshop in Leipzig.
Während der Differenzierung wird Nestin exprimiert
Der Forscher warnte zugleich vor übertriebenen Hoffnungen: „Noch wissen wir zu wenig über die Signale, die den Regenerationsprozess steuern, und wir kennen nur ein eingeschränktes Repertoire der Faktoren, die Stammzellen zur Differenzierung bringen.“ Es ist nicht geklärt, welche Zellen im Idealfall zur Transdifferenzierung gebracht werden. Ein Protokoll, mit dem sich embryonale Stammzellen zu funktionsfähigen Pankreaszellen und Hepatozyten differenzieren lassen, stellte in Leipzig Prof. Dr. med. Anna M. Wobus (Leibniz-Institut, Gantersleben) vor. Ihre Arbeitsgruppe demonstrierte, dass embryonale Stammzellen während der Differenzierung vorübergehend Nestin – eine Art Stammzellmarker – sowie Albumin oder Alpha-Fetoprotein exprimieren. Nestin scheint für die Plastizität von Progenitorzellen verantwortlich zu sein und kommt in adulten Zellen nur im Verlaufe von Regenerationsprozessen vor. Die Zellen nahmen zudem den normalen Phänotyp von Hepatozyten sowie von Pankreaszellen an und bildeten sowohl Albumin als auch Insulin.
Als Quelle für Stammzellen könnten neben den embryonalen Stammzellen auch mesenchymale Stammzellen, wie sie sich aus dem Knochenmark isolieren lassen, genutzt werden, erläuterte Prof. Dr. med. Bruno Christ (Halle). Diese Zellen besitzen ein multiples Differenzierungspotenzial und eine hohe proliferative Kapazität. Mit spezifischen Wachstumsfaktoren behandelt, nähmen sie ebenfalls die Hepatozyten-spezifische Morphologie an und bildeten Proteine, wie sie für Hepatozyten typisch sind.
Gelingt die Differenzierung von Hepatozyten, Cholangiozyten oder Pankreaszellen, bleibt das Problem der Repopulation der Zellen in die Leber. Die Zellen müssen zudem zur Proliferation gebracht werden, wobei die grundlegende Regulation der beiden Prozesse bisher nur in Ansätzen verstanden wird. Im Tierversuch gelang es Dr. med. Sarah König (Abteilung Chirurgie des Universitätsklinikums Göttingen), im Modell einer DPP-IV-mutierten Rattenleber (Dipeptidylpeptidase IV) nach partieller Hepatektomie und Hepatozytentransplantation eine rasche Repopulation der Zellen zu erwirken. Ob sich vergleichbare Ergebnisse beim Menschen erzielen lassen, ist nach Aussage Königs noch völlig offen.
„Es ist uns klar, dass die therapeutische Anwendung der Ergebnisse, die aus den Labors kommen, nicht einfach ist. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Stammzellforschung eine zukunftsträchtige Forschungsrichtung ist, die vor allem in der Hepatologie entscheidende Therapiefortschritte erlauben wird“, resümierte Gebhardt. Christine Vetter

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