ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Sparpaket: Kreative Denkansätze sind gefragt
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LNSLNS Ist es wirklich unethisch und zynisch, wenn der Gesetzgeber auf das Verordnungsverhalten der deutschen Ärzteschaft einwirkt? Eine sachliche Diskussion auf der Grundlage von Tatsachen hilft vielleicht weiter, auch unter durchaus selbstkritischen Gesichtspunkten. Ständig fordern wir eine effektivere Selbstbeteiligung der Patienten als Steuerungselement gegen eine unverhältnismäßige Mengenausweitung nach ärztlichen und medizinischen Leistungen, für uns selber lehnen wir diese als „schweren Eingriff in das Arzt-Patienten-Verhältnis“ ab. Im letzten Jahr sind die Arzneimittelkosten um ca. 3,5 Milliarden Euro angestiegen. Eine unglaubliche Summe. Welcher Arzt/welche Ärztin hat aber sein/ihr Verordnungsverhalten bewusst verändert, wahrscheinlich niemand, schon gar nicht dahingehend, bewusst teurere Medikamente zu verordnen. Diesen Anstieg mit Ethik und ärztlicher Handlungsfreiheit zu begründen, ist absurd und wirklichkeitsfremd. Wir Ärztinnen und Ärzte müssen uns doch endlich selber fragen, wem diese Ausgaben nützen und wessen Autonomie der freien Entscheidung sie tatsächlich bedeuten. Ich habe da seit Jahren meine Zweifel. Immer neue Leitlinien werden erfunden, integraler Bestandteil derselben sind stets noch teurere Medikamente und damit höhere Therapiekosten. Nutzen? Wer definiert eigentlich Innovation und Fortschritt wirklich? Nicht überall, wo Fortschritt, Innovation oder Qualität auf der Verpackung stehen, sind diese auch wirklich drin. Viele Innovationen sind extrem teuer und von medizinisch äußerst fragwürdigem Nutzen. Sehr oft erleben wir in der Praxis, dass wir mehr Nebenwirkungen von Medikamenten als die eigentliche Erkrankung behandeln. Ist die Bevölkerung gesünder geworden, und stimmt es tatsächlich, dass schätzungsweise 75 Prozent aller verordneten Medikamente gar nicht eingenommen werden, sondern im Müll landen? Für mich stellt sich daher immer dringender die Frage, wie wir selber wieder das Zepter der Entscheidungs-/ Verordnungshoheit in die Hand bekommen. Blinde emotionale Kritik hilft niemandem, kreative neue Denkansätze aus den Reihen der Ärzteschaft sind gefragt. Ich habe diese in den Diskussionen der letzten Wochen und Monate auch von den Standesorganisationen und Berufsverbänden vollständig vermisst . . .
Dr. med. Enno Warncke, Zur Höhe 10, 24955 Harrislee
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