ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Dienstleister: Meine Idealvorstellung
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LNSLNS Ihr Artikel spricht mir aus der Seele. Ich halte es für einen sehr großen Fehler, dass die Ärzteschaft nicht protestiert hat, als Wirtschaftsberater über den Begriff „Kundenorientierung“ uns Ärzten das Arzt-Patienten-Verhältnis genommen haben und durch das Kunden- Dienstleister-Verhältnis ersetzten. Wir haben nicht gemerkt, dass dies in Wahrheit kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt war. Wir hatten bereits vor dieser Aktion ein klar definiertes Verhältnis zu unseren Vertrauenspartnern, den Patienten, formuliert in dem uralten Grundsatz: „Salus aegrotii suprema lex“. Das Arzt-Patienten-Verhältnis war ein Vertrauensverhältnis, das Kunden-Dienstleister-Verhältnis ist heutzutage oft ein Misstrauensverhältnis . . . Die ersten Auswirkungen dieser Veränderung merkt man schon. Zweit- und Drittmeinungen werden eingeholt. Wenn ein alter Mensch stirbt, wird der Doktor gefragt: „Wie konnte das passieren?“ . . . Gesundheit ist keine Ware, die man dem Patienten aushändigen und verkaufen kann. Es gibt unheilbare Krankheiten. Wir können dem Patienten nicht jeden Wunsch, den wir ihm von den Augen ablesen, erfüllen. Gesundung erfordert auch Mitwirkung vom Patienten, zu dieser Mitwirkung muss er angeleitet werden. Misstrauen gegenüber dem Arzt führt zu Misstrauen gegen die Ratschläge des Arztes. Nichtbefolgen der Ratschläge führt zum Scheitern der Behandlung, dafür wird dann wieder der Arzt verantwortlich gemacht. Wenn wir Patienten zu Kunden werden lassen, wird man uns immer unterstellen, dass wir an den Patienten verdienen wollen, Profit maximieren wollen, denn dies ist in Industrie und Handel eigentlicher Zweck der Kundenorientierung. Meine Idealvorstellung wäre es, dass die gesamte Ärzteschaft dies begreift und handelt. Noch können wir diesen Irrweg korrigieren. Wir hätten die Möglichkeit, nach jedem öffentlichen Auftritt, sei es in Talkshows, auf Kongressen nach einem Vortrag oder wann auch immer, im letzten Satz zu sagen: „Ceterum censeo, ich behandele Patienten und keine Kunden.“ . . .
Dr. Johannes Böttger,
Kaiserstraße 20 B, 45731 Waltrop
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