ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Rom: Auf den Spuren der Illuminati

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Rom: Auf den Spuren der Illuminati

Scheiper, Renate V.

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Fluchtweg aus Vatikan in Engelsburg Foto: Renate V. Scheiper
Fluchtweg aus Vatikan in Engelsburg Foto: Renate V. Scheiper
Der Thriller von Bestseller-Autor Dan Brown führt den Leser in atemloser Jagd durch die heilige Stadt.

Noch nie ist mir aufgefallen, dass es einen Fluchtweg gibt direkt aus dem Vatikan in die einige Hundert Meter entfernte Engelsburg am Tiber. Und wie oft habe ich schon an den halbkreisförmig den Petersplatz säumenden Kolonnaden gestanden. Das zinnenbewehrte Mauerstück hinter den rechten Säulen Berninis hielt ich für ein Stück mittelalterliche Stadtmauer. Erst eine Führung zu den Stätten des Bestsellers „Illuminati“ von Dan Brown öffnete mir die Augen. Ja, mitten hinein in das trutzige Bauwerk, als Grabmal von Kaiser Hadrian vor knapp 2 000 Jahren konzipiert, führt dieser „passetto“ als gedeck-ter Gang. Papst Nikolaus III. ließ ihn 1277 als Fluchtweg bauen, und vielfach wurde er in der Folgezeit benutzt. So floh Papst Clemens VII. vor den Landsknechten Kaiser Karls V. und Papst Pius VII. vor den Truppen Napoleons. Passetto und Engelsburg spielen eine entscheidende Rolle in Dan Browns Thriller.
Auch der vor 2 000 Jahren von Kaiser Caligula aus Ägypten gestohlene Obelisk in der Mitte des Petersplatzes und die zwei Brunnen links und rechts davon werden einbezogen in den faszinierenden Roman, der teilweise auf Fakten beruht: Der Geheimbund der Illuminati existiert tatsächlich ebenso wie das Schweizer Kernforschungsinstitut CERN mit seinem Teilchenbeschleuniger, um das sich die Geschichte rankt.
Kreuz und quer durch Rom, führen die Wege auf den Spuren der Verwicklungen um ein Konklave und das Ergebnis der Kernforschung: Antimaterie. Auf bedrohliche Ereignisse weist auch das berühmte Gemälde von Bernini „Die Verzückung der Hl. Theresa“ in der reich geschmückten Barockkirche Santa Maria della Vittoria hin, die genau an dieser Stelle in einem grausamen Mord eskalieren. Ganz in der Nähe stehen wir danach fasziniert vor dem Brunnen, in dessen mittlerer Nische über dem sprudelnden Wasser die Skulptur des alttestamentarischen Moses mit kleinen Teufelshörnern wacht. Auch er ist im Roman ein Hinweis auf Gefahren, die die Hauptfigur, der aus Boston eingeflogene Symbolologe Robert Langdon, abzuwenden versucht.
Im Pantheon beim Grab des Baumeisters und Malers Raffael und am Brunnen davor setzt sich das Roman-Geschehen fort. Wir erholen uns vom bisher Gesehenen und Gehörten im nahen „Caffe Taza D’Oro“ beim besten Capuccino und Espresso, den Rom zu bieten hat.
Gestärkt ziehen wir weiter durch schmale Gassen mit verlockend schönen Geschäften. Doch wir müssen den geheimnisvollen Illuminati auf den Fersen bleiben, die Langdon und seine Gefährtin,
die Kernforschungsspezialistin Vittoria aus Genf, dingfest machen sollen.
Auf dem idyllischen Campo di Fiori wirkt das düstere Denkmal eines Kapuzenmannes zwischen den bunten Ständen des Wochenmarktes fast bedrohlich. Es ist der Dominikanermönch Giordano Bruno, der hier im Jahr 1700 als Ketzer verbrannt wurde. Auch an diesen Ort führt Autor Dan Brown die Leser, denn der Geheimbund der Illuminati will aus Rache an der Kirche das bevorstehende Konklave durch die Ermordung von vier Kardinälen verhindern.
Wir schlendern weiter zum großen Oval der von Kirchen und Palästen umgebenen Piazza Navona. Im Mittelalter fanden hier Wasserspiele und Pferderennen statt. Heute zeigen Gaukler ihre Künste, sitzen Maler vor Staffeleien, und Touristen aus aller Welt lassen sich vor dem imposanten 4-Ströme-Brunnen in der Mitte fotografieren oder kühlen sich im Sommer unter den Fontänen der barocken Bernini-Figuren ab. Im Roman wird unter dem hohen Obelisken ein weiterer Mord geschehen.
Schließlich klettern wir durch viele dunkle Gänge in die geheimen Gemächer der Engelsburg. Grandios ist der Blick von der obersten Terrasse über Rom bis zu den Albaner Bergen. Wir überzeugen uns, dass der Passetto vom Vatikan tatsächlich mitten hineinführt.
In der etwas erhöhten Mitte der verkehrsumtosten Piazza Barberini steht wieder eines der Meisterwerke Berninis: Vier mächtige, Wasser speiende Fische tragen mit ihren elegant geschwungenen Schwanzflossen die Schalen einer geöffneten Venusmuschel, aus deren Mitte der Meeresgott Triton durch eine nach ihm benannte Schnecke einen hohen Wasserstrahl in den Himmel prustet. Dort endet im Roman die atemlose Jagd durch Rom. Renate V. Scheiper

Informationen:
- Hotelempfehlung: St. Regis Grand Hotel im Stadtzentrum und mitten im Illuminati-Geschehen, www.stregis.com/GrandRome. Das Hotel organisiert in deutscher Sprache geführte Touren auf den Spuren des Buches „Illuminati“.

- Flüge: dba fliegt täglich ab 66 Euro pro Strecke von allen deutschen Flughäfen via München. Noch preiswertere Aktionen unter www.flydba.com.

- Buchtipps: Dan Brown, „IIluminati“, Lübbe Verlag, 8,95 Euro als Taschenbuch. Die illustrierte Ausgabe mit 150 Farbtafeln und Karten kostet 24,90 Euro. „Die Geheimnisse der Konklaven“ von Abbé Atto Melani, Verlag Klett-Cotta, kostet 9,90 Euro. Baedeker „Rom“, mit separatem Stadtplan, 15,95 Euro; DuMont Kunstreiseführer „Rom“, 25,90 Euro; Polyglott on tour mit citiflip, 7,95 Euro.
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