ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Behandlung von nicht und mäßig metastasierten Hodentumoren / Diagnostik des Hodentumors: Neue Versorgungsabläufe
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LNSLNS Solche Beiträge sind wertvoll, weil sie durch die große Verbreitung und hohe Akzeptanz des Deutschen Ärzteblattes vielen Kolleginnen und Kollegen zur Kenntnis gebracht werden und weil sie aus der Feder kompetenter Sachkenner stammen. Trotzdem sei die Frage erlaubt, ob die Autoren die gesetzten Ziele erreichen und ob sich ihre Erwartungen erfüllen. Mit anderen Worten: Was bewirken solche Beiträge?
Im Deutschen Ärzteblatt und in den einschlägigen Fachzeitschriften gab es immer wieder ähnlich lautende Hodentumorartikel, sogar ein ganzes Heft haben Fachgesellschaft und Berufsverband erst kürzlich noch einmal diesem Thema gewidmet. Obwohl auch eine S2-Leitlinie „Zur Diagnostik und Therapie von Hodentumoren auf der Grundlage evidenzbasierter Medizin (EbM)“ existiert und wiederholt publiziert wurde (1, 2), hat sich an den ungenügenden Behandlungsergebnissen seit Jahren nichts geändert (3). Im internationalen Vergleich ist die Mortalitätsrate zum Beispiel in Norwegen (0,23) und in den USA (0,21 bis 0,249) niedriger als bei uns (0,36).
Die Aussagen der Autoren gelangen also nicht in die Köpfe der Handelnden. Wenn für die Patienten damit zu wenig erreicht wird, gilt es umzudenken. Deshalb wollen die Mitglieder der an der Therapie von Hodentumoren beteiligten Arbeitsgruppen bundesweit die Qualität der Versorgung verbessern. Wir sehen in dem Abschluss integrierter Versorgungsverträge einen Ausweg aus der Diskrepanz zwischen der Vielzahl von Fortbildungsangeboten und den tatsächlichen Ergebnissen der Versorgung. Im konkreten Fall soll der Kollege honoriert werden, der als Ersttherapeut externe Kompetenz einholt, indem er bei Experten eine Zweitmeinung anfordert und außerdem die Qualität seiner Diagnostik, Therapie und Nachsorge prüfen lässt. Die dezentralen Versorgungsstrukturen werden beibehalten. Solche Verträge werden seit XI/2005 zunächst von der AOK Nordrhein und Hamburg angeboten; weitere Kassen werden folgen. Ein von der Deutschen Krebshilfe gefördertes Datenzentrum wird die Versorgungsforschung ermöglichen, indem die anfallenden Daten zum Erstbefund, der Zweitmeinung, der tatsächlichen Behandlung und des Verlaufs ausgewertet werden.
So wichtig die Ärzteblatt-Publikationen für die Autoren, Herausgeber und Anteile der Leserschaft sind, so unzureichend beeinflussen sie die Versorgungsergebnisse. Winter et al., Dickmann et al., Krege et al. und viele andere Autoren werden zu der Erkenntnis gelangen, dass die schreibende in eine handelnde Funktion zu steigern ist. Im konkreten Fall werden also mit den Krankenkassen neue Versorgungsabläufe geschaffen, die ein Behandlungsergebnis gewährleisten sollen, von dem die Autoren ausgehen. Mit diesem Vorgehen errichten wir also nicht – wie befürchtet – „mit fragwürdiger Begründung Barrieren gegenüber Kollegen“ (4), und schon gar nicht machen wir uns zu einem Kontrollorgan der Krankenkassen. Stattdessen bemühen wir uns, die Ergebnisse unseres Handelns dem internationalen Niveau anzugleichen. Unbestritten ist die Tatsache, dass die medizinischen und ökonomischen Leistungserbringer Allianzen eingehen müssen.
Literatur
1. Souchon R, Krege S, Schmoll HJ et al.: Interdisziplinärer Konsensus zur Diagnostik und Therapie von Hodentumoren. Strahlenther Onkol 2000; 176: 388– 405.
2. Schmoll HJ, Souchon R, Krege S et al.: European consensus on diagnosis and treatment of germ cell
cancer: a report of the European Germ Cell Cancer Consensus Group (EGCCCG). Annals of Oncology 2004; 15: 1377–99.
3. Schrader M, Weißbach L, Miller K: Therapie von Hodentumoren. Dtsch Arztebl 2004; 101(39): A 2612–8.
4. Herrlinger A: Leserbrief „Barrieren“ zu Therapie von Hodentumoren von Schrader M, Weißbach L, Miller K: Therapie von Hodentumoren. Dtsch Arztebl 2005;
102 (11): A 761.

Prof. Dr. med. Lothar Weißbach
Urologische Partnerschaft, EuromedClinic
Europaallee 1
90763 Fürth

Priv.-Doz. Dr. med. Mark Schrader
Charité Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin

Dr. med. Michael Hartmann
Klinik und Poliklinik für Urologie
Universitätskrankenhaus Eppendorf
Martinistraße 5
20246 Hamburg

Prof. Weißbach und Priv.-Doz. Schrader erhalten Fördermittel für ein Datenzentrum von der Deutschen Krebshilfe.

Dr. Hartmann erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Souchon R, Krege S, Schmoll HJ et al.: Interdisziplinärer Konsensus zur Diagnostik und Therapie von Hodentumoren. Strahlenther Onkol 2000; 176: 388– 405. MEDLINE
2.
Schmoll HJ, Souchon R, Krege S et al.: European consensus on diagnosis and treatment of germ cell cancer: a report of the European Germ Cell Cancer Consensus Group (EGCCCG). Annals of Oncology 2004; 15: 1377–99. MEDLINE
3.
Schrader M, Weißbach L, Miller K: Therapie von Hodentumoren. Dtsch Arztebl 2004; 101(39): A 2612–8. VOLLTEXT
4.
Herrlinger A: Leserbrief „Barrieren“ zu Therapie von Hodentumoren von Schrader M, Weißbach L, Miller K: Therapie von Hodentumoren. Dtsch Arztebl 2005; 102 (11): A 761. VOLLTEXT
1. Souchon R, Krege S, Schmoll HJ et al.: Interdisziplinärer Konsensus zur Diagnostik und Therapie von Hodentumoren. Strahlenther Onkol 2000; 176: 388– 405. MEDLINE
2. Schmoll HJ, Souchon R, Krege S et al.: European consensus on diagnosis and treatment of germ cell cancer: a report of the European Germ Cell Cancer Consensus Group (EGCCCG). Annals of Oncology 2004; 15: 1377–99. MEDLINE
3. Schrader M, Weißbach L, Miller K: Therapie von Hodentumoren. Dtsch Arztebl 2004; 101(39): A 2612–8. VOLLTEXT
4. Herrlinger A: Leserbrief „Barrieren“ zu Therapie von Hodentumoren von Schrader M, Weißbach L, Miller K: Therapie von Hodentumoren. Dtsch Arztebl 2005; 102 (11): A 761. VOLLTEXT

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