ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2006Behandlung von nicht und mäßig metastasierten Hodentumoren / Diagnostik des Hodentumors: Psychoonkologische Behandlung notwendig

MEDIZIN: Diskussion

Behandlung von nicht und mäßig metastasierten Hodentumoren / Diagnostik des Hodentumors: Psychoonkologische Behandlung notwendig

Weyland, Peter

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LNSLNS Leider findet sich in keiner dieser Arbeiten ein Hinweis auf die psychoonkologischen Unterstützungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Von Patienten wird diese Hilfe gerne in Anspruch genommen, vom Gesetzgeber wird sie im Risiko­struk­tur­aus­gleich gefordert, in der klinischen Medizin aber wird sie wohl erst ganz allmählich wahrgenommen.
Eine Krebserkrankung ist aber nicht nur ein somatisches Problem. Sie erschüttert die Betroffenen in den Grundfesten der Person und beeinflusst damit auch massiv ihre Möglichkeit, rationale Entscheidungen zu treffen und durch die notwendige Compliance selbst an ihrer Behandlung sinnvoll mitzuwirken.
Das Risiko eines Ejakulationsverlustes zum Beispiel ist nicht nur eine Frage der Sexualität. Tatsächlich berührt es den Patienten in seinem persönlichen Selbstverständnis auf eine so grund-sätzliche Art und Weise, dass ein Gespräch darüber hohe Anforderungen an das Einfühlungsvermögen und die psychosoziale Kompetenz der Behandler stellt. Psychoonkologische Hilfestellung ist hier ein notwendiger Teil der Behandlung. In Heft 46 empfehlen die Verfasser eine nervenerhaltende retroperitoneale Lymphadenektomie, mit dem Risiko eines Ejakulationsverlustes, wenn wegen fehlender Compliance eine adjuvante Chemotherapie oder eine Überwachungsstrategie nicht mehr infrage kommen. Das ist sicher sinnvoll, aber es würde sich doch wirklich lohnen, im Rahmen der Aufklärungsgespräche die Compliance zum Gegenstand einer psychoonkologischen Behandlung zu machen, sodass der Patient dann vielleicht im Sinne eines „informed consent“ auch in der Lage wäre, einer Chemotherapie zuzustimmen und sie mit entsprechender Unterstützung durchzuhalten. Wir können doch heute erfreulicherweise davon ausgehen, dass alle nach Leitlinien zertifizierten Tumorzentren auch die psychoonkologische Behandlung der Patienten sicherstellen. Es wäre schade, wenn diese Funktionen nur auf dem Papier stünden, nicht auch tatsächlich genutzt würden.
Es wäre wünschenswert, dass zumindest als Ergänzung zu einer solchen Reihe auch einmal die psychosoziale Situation der Patienten in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt wird. Eine kompetente psychoonkologische Behandlung kann nicht nur eine deutliche Steigerung der Lebensqualität bewirken sondern auch eine spürbare Verbesserung der Compliance und damit einen wirksamen Schutz vor einer Flucht in das überreiche Angebot an fragwürdigen Therapien und Scharlatanerie.

Dr. med. Peter Weyland
Waldseer Straße 55
88400 Biberach/Riß
Dr. Weyland erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
Die Autoren haben auf ein Schlusswort verzichtet.

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