ArchivDeutsches Ärzteblatt7/1997Michelangelo: Kunst-Griff

SPEKTRUM: Leserbriefe

Michelangelo: Kunst-Griff

Arnold, Dieter

Zu dem Beitrag "Einheit von Geist und Körper" von Prof. Dr. med. Xaver Baur et al. in Heft 48/1996
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LNSLNS Nach einer "neuen Interpretation" sollen in Michelangelos "Erschaffung Adams" (neuro)anatomische Strukturen von Herz, Gehirn und Fötus zu sehen sein, die über Adam eine Verbindung zu Gott eingehen (Eva?). Die Verbindung von Herz und Gehirn? Ein Fingerzeig? Renaissance? Wieder Geburt oder wider Geburt? Michelangelo plaziert diese Geste weit oben in die Kuppel der damals Mächtigen. Er provoziert und bringt alles ans Licht. Ein modernes Unbehagen will nahelegen, daß er dies besser hätte unterlassen sollen. Der Künstler gab nochmal alles, was ihn prägte, von allem Anfang an. Fötus, Herz, Gehirn. Bis hinein in die Neuroanatomie, organisch, konkret. Was soll er sonst noch sagen? Er hat eine Ikone hervorgeholt. Eine MegaAmpel an einer Kreuzung. Zu spät. Weiterfahrt bei Rot. Ohne die Notation des Künstlers zu beachten. Nicht Perlen vor die Säue, sondern ein Fressen für die Geier. Sie zerlegen ihn, den Adam und auch seine Eva und auch ihre Herzen. In eine Maschine. Jetzt ist das Gehirn dran. Benutzer-Oberfläche. Monopole wachen über Körper, Seelen, ja und Gehirne natürlich. Statt dessen Politik und Geld. Moderne Hieroglyphen. Unsere Analgetika, Anästhetika, Narkotika. Michelangelo mußte es sehen, weil er es nicht trennen konnte. Wir mußten es trennen, weil wir es nicht sehen konnten. Ade, Neuroanatomie. Willkommen Adam und Eva.
Dr. med. Dieter Arnold, Beethovenstraße 28, 68549 Ilvesheim
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